Glückwunsch an den FC Bayern: Er ist Herbstmeister. Bayerischer Herbstmeister. Nur noch zwei Hinrundenspieltage, aber sieben Punkte Vorsprung auf den FC Augsburg. Man hat den Münchnern in der Anfangsphase ihrer Partie am Samstag gegen Werder Bremen angemerkt, wie der FCA sie mit seinem 4:2-Coup bei der TSG Hoffenheim am Freitagabend unter Druck gesetzt hatte. Bayerns 6:1 über Bremen – eine Riesenbefreiung.
Späßle, wie der Schwabe sagt. Natürlich geht es für den großen FC Bayern nicht darum sich mit dem Nachbarn in 70 Kilometer Entfernung zu vergleichen. Doch bemerkenswert ist es schon, dass der Abstand zwischen den beiden so verschiedenen Vereinen auf einmal so knapp geworden war, dass man von einer gewissen Nähe sprechen konnte. Was zum einen an Ergebnispannen der Serienmeisters lag, aber eben auch an einer Serie des Niemalsmeisters. Der FCA hat sich aus dem Gröbsten herausgearbeitet, und vielleicht schlägt er am Dienstag jetzt auch noch Düsseldorf. Er könnte zur Winterpause noch Wolfsburg überholen oder Leverkusen.
Was zeigt: Im Fußball verändern sich Wahrnehmungen schnell. Vor Kurzem wurden in Augsburg noch wütende Leserbriefe gegen Trainer Martin Schmidt geschrieben, weil er gegen Schalke einen Spieler einwechselte (Reece Oxford), dem der zur 2:3-Niederlage führende Fehler unterlief. Und aus der Mannschaft wurde lanciert, dass Spieler bei Taktikbesprechungen des Schweizers die Augen verdrehen würden. Nun aber: vier Siege, ein Remis aus den vergangenen fünf Spielen. Und Augen werden nicht verdreht, sondern aufgerissen: Weil Schmidt das Umschaltspiel seines Teams auf einen nahezu perfekten Stand gebracht hat.
Vielleicht muss man den Schweizern einfach nur Zeit lassen: Schmidt in Augsburg, Urs Fischer bei Union Berlin (er wirkt ja schon, steht vor Hertha) – und Lucien Favre in Dortmund. War da was mit Gnadenfrist, mit „reist noch mit nach Barcelona“? Kein Muckser mehr gegen ihn – und der BVB wird womöglich sogar noch Herbstmeister. In NRW und überhaupt.
Guenter.Klein@ovb.net