Val d’Isere/St. Moritz – Felix Neureuther war in seiner neuen Rolle kaum zu bremsen. Er analysierte und interviewte die einstigen Konkurrenten im alpinen Weltcup, zugleich gab er seinen früheren Mannschaftskollegen derart leidenschaftlich Ratschläge, dass ihm Fritz Dopfer zum Spaß anbot: „Du solltest mein Trainer werden.“ Neureuther lehnte beim Gespräch auf dem ARD-Podest lachend ab – dabei haben zumindest die deutschen Slalomfahrer im Moment jede Hilfe dringend nötig.
Dopfer bewahrte die deutsche Mannschaft im französischen Val d’Isere vor der ersten Nullnummer in einem Slalom seit knapp acht Jahren. Der 32 Jahre alte Routinier kämpfte sich mit der hohen Startnummer 47 erst auf Rang 29 und damit als einziger von fünf Deutschen in den Finallauf, dort verbesserte er sich beim überlegenen 25. Weltcupsieg von Alexis Pinturault (Frankreich) mit der fünftbesten Laufzeit noch auf Rang 21 – immerhin seine beste Platzierung seit März 2018.
„Ich muss momentan kleine Brötchen backen, deswegen ist die Qualifikation für den zweiten Lauf schon ein Erfolg für mich“, sagte Dopfer in der ARD und ergänzte später: „Es tut sehr gut, dass ich wieder mal im zweiten Lauf war und ein paar Punkte gemacht habe, ich hoffe, dass es jetzt peu a peu nach vorne geht.“ Neureuther machte dem ehemaligen Zimmerkollegen Mut: „Du musst das Positive mitnehmen, da waren schon wieder Schwünge dabei wie früher zu deinen besten Zeiten.“
Luft nach oben haben auch die deutschen Frauen. Mit einer starken Qualifikation beim ersten Parallel-Slalom der Saison in St. Moritz hatten sie Hoffnungen auf eine Topplatzierung geweckt, dann allerdings gingen sie schnell k.o.: Christina Ackermann (9. der Qualifikation) und Lena Dürr (3.) schieden in der K.o.-Runde der besten 32 bereits im Achtelfinale aus und belegten im Endklassement die Plätze 13 und 15. „Letztlich ist es enttäuschend, dabei war es am Vormittag noch sehr vielversprechend. Da haben die Vier gezeigt, dass sie richtig schnell unterwegs sind“, sagte Damen-Cheftrainer Jürgen Graller. „Ich bin nicht zufrieden. Das Potenzial ist da, aber sie haben es in der K.o.-Runde nicht ausgeschöpft.“
Das Finale gewann Petra Vlhova (Slowakei) mit 0,02 Sekunden Vorsprung vor Anna Swenn Larsson (Schweden) – es war der zehnte Weltcupsieg für die Riesenslalom-Weltmeisterin. Die im Gesamtweltcup führende Mikaela Shiffrin (USA) verzichtete auf einen Start: Sie wollte sich wie Viktoria Rebensburg, die im Super-G beim Sieg von Abfahrtsolympiasiegerin Sofia Goggia (Italien) Zehnte geworden war, schon auf den Riesenslalom morgen in Courchevel/Frankreich vorbereiten.
Rebensburg hatte am Samstag eine Woche nach ihrem ersten Saisonsieg eine weitere Podiumsplatzierung deutlich verpasst. Beim Super-G fehlten ihr 0,83 Sekunden zum „Stockerl“, auch, weil sie ein wenig vom Winde verweht wurde. „Das Wetter hat man nie im Griff, aber daran ist es nicht gelegen“, betonte Rebensburg allerdings. Sechs Tage zuvor hatte sie den Super-G im kanadischen Lake Louise gewonnen. sid/dpa