München – Hansi Flick nahm Platz – und dann stand er auch schon wieder auf. Im Ranking der kürzesten Pressekonferenzen der Bundesliga-Geschichte dürfte dieser Auftritt sich weit vorne einreihen. Ein Statement zum Auftritt von Philippe Coutinho, der das 6:1 des FC Bayern geprägt hatte. Das war’s. Aber mal ehrlich: Warum sollte man den Bayern-Coach wieder und wieder auf seine Zukunft ansprechen, wenn diese sowieso geklärt ist?
In Bayern-Kreisen verwies man natürlich auch am Samstag, also eine Woche vor dem sportlichen Jahresabschluss gegen Wolfsburg, auf das geplante Treffen vor Weihnachten hin. „Lasst den Hansi einfach arbeiten – nach dem letzten Spiel werden wir uns zusammensetzen und alles besprechen“, sagte Hasan Salihamidzic. Ob es Tendenzen gebe? „Diese Aussage steht.“ Dass der eigentliche Interims-Trainer längst über den Jahreswechsel hinaus denkt und im Hintergrund schon die Inhalte des ab 4. Januar in Doha (Katar) anstehenden Trainingslagers plant, wird öffentlich freilich nicht kommuniziert. Man bleibt beim Muster: Die Spieler loben, die Bosse schweigen.
Nach dem verdienten Sieg gegen Bremen, dem 21. hintereinander übrigens gegen den in Summe chancenlosen Gegner von der Weser, war es David Alaba, der deutlich wurde. Er sagte: „Ich persönlich – und ich glaube, die ganze Mannschaft auch: Wir fühlen uns sehr wohl. Man kann seine Philosophie in unserem Spiel sehr gut erkennen.“ Der erste Dreier nach zuvor zwei sieglosen Liga-Partien gegen Leverkusen und in Mönchengladbach war im Flick-Stil zustande gekommen und bis auf „25 Minuten, in denen wir nicht gut waren“ (Manuel Neuer) eine Demonstration der Offensivstärke dieser Truppe. Coutinho (45., 63., 78.) sowie Robert Lewandowski (45.+4, 72.) und Thomas Müller (75.) sorgten dafür, das 75 000 Zuschauer die Arena berauscht verließen.
„Wir schauen uns ganz genau an, wie der Trainer arbeitet und wie die Spieler darauf anspringen“, sagte Salihamidzic. Das Urteil aus der Kabine sei dabei wichtig, aber nicht entscheidend: „Sie können sich das wünschen, aber am Ende haben wir das letzte Wort.“ Wir, das sind in diesem Fall „Brazzo“, Karl-Heinz Rummenigge und auch Oliver Kahn. Der designierte Vorstand ist zwar noch nicht offiziell im Dienst, „aber es wäre nicht besonders klug von uns, wenn wir ihn nicht trotzdem schon einbeziehen würden“, sagte Herbert Hainer der „Süddeutschen Zeitung“. Lachend fügte der Präsident hinzu: „Noch kriegen wir seinen Rat ja kostenlos.“
Mit Flick und Kahn (soll „ein paar Tage“ mit fahren) geht es dann vier Tage nach dem Jahreswechsel nach Doha. Und bis dahin „haben wir noch zwei Spiele, um ähnlich starke Leistungen zu zeigen wie heute“, sagte Coutinho. Er sprach an diesem Tag gefühlt vier Mal so viel wie Flick.