Wohin führt Leon Baileys Weg?

von Redaktion

Hertha BSC

Jürgen Klinsmann wurde vor mehr als 15 Jahren Bundestrainer; damals war das Spiel in Deutschland langsam, breitwandig, die Spieler hielten den Ball viel zu lange. Der Neue führte den Begriff des vertikalen Spiels ein: Tendenziell sollte der Ball immer auf gerader Linie nach vorne gespielt werden. Und Klinsmann forderte, dass hinter jedem Pass eine Absicht stecken müsse, eine Idee, die den Gegner in Verlegenheit bringe.

Der Fußball 2019 ist tatsächlich ein sehr direkter, das Umschaltspiel feiert Triumphe – Klinsmann hatte seherische Kraft. Nur: Die Hertha, die er übernommen hat, zeigt wenig von dem modernen Fußball, den er mitinitiiert hat. Vor allem die erste Halbzeit in der Heimpartie gegen Freiburg: zielloses Ballgeschiebe, Rückspiele zum Torwart – quittiert von Pfiffen aus dem halbleeren Olympiastadion. Dass Klinsmann im dritten Auftritt als Hertha-Coach trotzdem zum ersten Dreier kam, hatte er Vaclav Darida zu verdanken. „Gott sei Dank hat er sich ein Herz gefasst, draufgehauen und ein richtig schönes Tor erzielt“, so Klinsmann. Der „in unserer Situation“ ein neues Konzept ausgerufen hat: „Kampf, Kompaktheit. Kameradschaft.“

Dortmund/Leipzig

Es mag fast schon arrogant wirken – vor allem gegenüber Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern: Aber der BVB und RB Leipzig, die am Dienstagabend (20.30 Uhr) aufeinandertreffen, reden recht ungezügelt von der Meisterschaft. Timo Werner, der treffsichere Leipziger Stürmer, sprach von einer „Vorentscheidung fürs kommende Jahr, einem Sechspunktespiel“, sein Trainer Julian Nagelsmann freut sich auf ein „Spitzenspiel mit hohem Tempo auf beiden Seiten“, und Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc trifft eine klare Ansage; „Wir spielen zu Hause. Wir wollen gewinnen.“ Nach drei Bundesligasiegen und dem Erreichen des Achtelfinales in der Champions League wird in Dortmund nicht einmal mehr an Trainer Lucien Favre gezweifelt.

Brisant ist die Begegnung ohnehin. Im ersten Leipziger Bundesligajahr kam es in Dortmund zu Beleidigungen und Übergriffen gegen Fans des Konstrukts, der BVB wurde mit einem Teilausschluss seines Publikums bestraft. Nun kommen sich die beiden Clubs – der mit der großen Tradition und der aus der Retorte – bei einem Spieler in die Quere. Beide wollen sie den Salzburger Torjäger Erling Haaland verpflichten. Leipzig ist aufgrund seiner Red-Bull-Connection nahe dran, Dortmund wirbt bei dem 19-jährigen Norweger, der gerade die österreichische Liga einschießt, mit den üblichen BVB-Argumenten. Nirgendwo in Deutschland ist Fußball stimmungsvoller als bei Schwarz-Gelb. Und im Angriff ist eine Planstelle frei.

Leverkusen

Vor dieser Saison gab es einen Abend lang massive Gerüchte: Der FC Bayern sei an Leon Bailey dran, der jamaikanische Flügelstürmer solle einer der Nachfolger von Arjen Robben und Franck Ribera werden. Dann allerdings kam der Name Leroy Sané in die Diskussion, und zu einer Option wurde auch Ivan Perisic. Vielleicht war es Baileys kleine Rache, dass er neulich bei Bayers 2:1-Coup in Münhen beide Leverkusener Tore schoss. Als wollte er zeigen, was den Bayern entgangen ist.

Ja, vielleicht täte er sogar dem FC Bayern an manchen Tagen gut. Doch es gibt eben auch die finstere Seite des 22-Jährigen, der in Leverkusen eine starke erste Saison (2017/18) gespielt hatte. Zum zweiten Mal in kurzer Zeit sah er Rot für eine Tätlichkeit. Am 2. November gegen Mönchengladbach, nun in Köln. Bayern-Sportchef Rudi Völler, der gewohnheitsmäßig auf die Schiedsrichter sauer ist, zürnte diesmal mehr seinem Jungstar, der Gegenspieler Ehizibue ins Gesicht schlug: „Zwar ist er provoziert worden, aber das darf ihm nicht passieren.“ Das DFB-Sportgericht wird seine erste Strafe (zwei Spiele Sperre, 12 000 Euro) wohl steigern. Bailey ist Wiederholungstöter. GÜNTER KLEIN

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