Dieser Angriff hatte die Bayern empfindlich getroffen. Als sie eines Morgens des Jahres 2012 zur Arbeit erschienen, strahlte ihnen ein großer Schriftzug entgegen, ausgerechnet in blau. Das Graffiti, das in einer nächtlichen Aktion von Unbekannten auf der weißen Mauer der Geschäftsstelle an der Säbener Straße gesprüht worden war, war nicht sonderlich kunstvoll, aber es erzielte seine Wirkung. Die Inschrift lautete: „Danke, Drogba!“
Ja, dieser Stachel saß tief beim FC Bayern, das verlorene Finale dahoam, dem Didier Drogba die entscheidende späte Wende verpasst hatte. Denn Chelsea, das war eigentlich schon damals keine Mannschaft, gegen die man verlieren musste. Und genauso wenig ist das Team von Frank Lampard, im Moment Tabellenvierter der Premier League, heute ein Gegner, vor dem man im Achtelfinale der Königsklasse richtig Angst haben sollte.
Da hätten gestern durchaus andere Kaliber gewartet, Real oder Atletico Madrid etwa. Und die Kollegen aus Dortmund und auch Leipzig blickten deshalb neidisch nach München, wo es nach dem frühen Aus gegen den späteren Sieger Liverpool gestern mal wieder so etwas wie Losglück gegeben hatte. Während sich der BVB der geldigen Macht der Großkopferten aus Paris stellen muss, bekommt es Leipzig mit dem Vorjahresfinalisten Tottenham zu tun. Die Favoritenrolle liegt zumindest auf dem Papier jeweils beim Gegner. Und die Hoffnungen mal wieder auf den Bayern. Sie können auch den England-Fluch aus dem Vorjahr – als alle drei deutschen Teams an den Briten scheiterten – besiegen.
Das Ziel ist klar: Spätestens 2022, so hat es Präsident Herbert Hainer gesagt, will der Rekordmeister den Henkelpott wieder in den eigenen Händen halten. Hat man diesen Anspruch, darf einem vor dem FC Chelsea nicht bange sein. Im millionengetränkten England sind die im Umbruch befindlichen Londoner, zuletzt 2016/17 Meister, gerade nicht ganz „up to date“. Und anders als die Bayern schafften sie es seit dem Coup 2012 bisher genau ein Mal über das Achtelfinale hinaus.
Den Münchnern muss es bis zum Frühjahr darum gehen, sich zu festigen. Wenn die Partien gegen Chelsea ein Anfang sein sollen, muss bis dahin Ruhe einkehren. Heißt: Die Trainerpersonalie sollte langfristig geklärt sein, der Anschluss in der Liga hergestellt und die Defensive stabilisiert. Dann gibt es im März eine neue Auslosung. Und neue alte Mythen, die herausgekramt werden.
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