Ein Sieg als Meister-Schwur

von Redaktion

Bayerns Willenserfolg in Freiburg macht Hoffnung: „Am Ende oben stehen“

VON HANNA RAIF

Freiburg – Der Initiator hieß David Alaba, und er initiierte etwas, von dem selbst ständige Beobachter dieses Vereins nicht mehr zu sagen vermochten, wann es das zuletzt gegeben hatte. Der Abpfiff in Freiburg war gerade ertönt, da fuchtelte Alaba mit den Händen – und plötzlich waren alle Bayern da. Im Kreis, Arm in Arm, wie ein Team, das sich ernsthaft und aus vollem Herzen über einen Sieg freut. Das Last-Minute-3:1 im Breisgau war etwas Besonderes, und die Szenen danach ein Meister-Schwur.

„Das zeigt, was für einen Geist wir innerhalb der Mannschaft haben“, sagte Alaba über die Szenen nach der Partie, die nach der Führung durch Robert Lewandowski (16.) und dem Ausgleich durch Vincenzo Grifo (58.) mit zwei Nachspielzeit-Treffern durch Joshua Zirkzee (90.+2) und Serge Gnabry (90.+5) spät zu Gunsten der Bayern entschieden worden war. Jedem war bewusst, dass man „mit der zweiten Halbzeit nicht zufrieden sein kann“ (Alaba) und der „Sieg knapper war als auf dem Papier“ (Manuel Neuer). Am Ende aber stand ein Erfolg „des Willens und der Moral“, wie der Bayern-Kapitän umschrieb. Und genau das ist es, was – neben dem verkürzten Rückstand von vier Punkten auf Leipzig und Gladbach – die Hoffnung auf den achten Meister-Coup im Mai nährt.

Mit der Herbstmeisterschaft haben sie heuer nichts mehr zu tun, aber Alaba stellte klar: „Wir haben ein Ziel: Am Ende der Saison ganz oben stehen. Und dabei lassen wir uns nicht aus der Ruhe bringen.“ Platz drei und nur noch vier Punkte Rückstand fühlen sich schon deutlich besser an, pro Spieltag sind die Bayern im Vier-Spiele-Endspurt nun zwei Ränge nach oben geklettert. Das imponierte vor allem Hansi Flick, der zugab, dass die beiden Niederlagen gegen Gladbach und Leverkusen „schon an uns genagt haben“. In Freiburg nun habe „jeder bis zum Schluss an sich geglaubt, war dabei und hat Verantwortung übernommen“. Übersetzt für alle: Flick sah „Mia san mia“.

Darüber, dass man auf dem Feld von der extrem offensiv eingestellten Mannschaft zwei Gesichter gesehen hatte, sprach fast niemand mehr. Dem beeindruckenden Start – Freiburgs Trainer Christian Streich hatte „Angst, dass die uns aus dem Stadion knallen“ – folgte der Einbruch. Wären die Gastgeber vor dem Tor glücklicher gewesen, wäre auch ein Freiburger Heimsieg nicht unverdient gewesen. Den Bayern fehlten laut Flick irgendwann „die Körner“, auch Hasan Salihamidzic erzählte davon, dass „die Spieler in der zweiten Halbzeit ein bisschen müde waren“. Der Endspurt der ohnehin turbulenten Hinrunde zehrt an den Kräften – umso schöner, sagte Alaba, „dass wir so ein Spiel mal wieder gewonnen haben. In den letzten Monaten hat das nicht immer geklappt.“

Man sagt ja, dass es Partien gibt, die Kräfte freisetzen können, und zumindest an diesem Abend an der Dreisam wirkte es so, als werde man noch länger über ihn sprechen. „Zufrieden“ stieg Flick in den Bus, selbst die nächtliche Vier-Stunden-Fahrt war unter den gegebenen Umständen erträglich. Gestern war trainingsfrei, heute steht gleich die Abschlusseinheit für die Partie gegen Wolfsburg an. „Gut erholen“ und die „Hinrunde erfolgreich beenden“ – das sind Flicks Ziele. Was er sich dann unterm Christbaum wünscht? „Das wüsste ich jetzt nicht“, sagte er lachend. Daran, dass es ein Vertrag bis zum Sommer ist, zweifelt spätestens nach den Bildern aus Freiburg niemand mehr.

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