„Gegen uns ist Bayern immer motiviert“

von Redaktion

Svetislav Pesic kehrt heute mit Barcelonas Basketballern in den Münchner Audi Dome zurück

VON PATRICK REICHELT

München – Nein, an diesem Abend musste der Job bei Svetislav Pesic dann doch warten. Ein bisschen zumindest. Natürlich würde er sich den Euroleague-Auftritt des FC Bayern bei Alba Berlin anschauen, sagte der Coach der Basketballer des FC Barcelona. Aber erst später. „Ich bin beim Clasico“, dem Duell der Fußballer seines Clubs mit Real Madrid, so sagte er und ließ den Blick von der Terrasse seiner Wohnung auf das nahe gelegene Stadion Camp Nou schweifen.

Es wird an den Realitäten nichts ändern – Pesic wird bestens vorbereitet sein, wenn er heute mit seinem Team selbst mal wieder beim FC Bayern ran muss. Um 20.30 Uhr steigt das Wiedersehen im Audi Dome, wo der 70-Jährige von 2012 bis 2016 selbst das Zepter schwang.

Im Vorjahr ging die Sache schief, Petteri Koponen warf die Bayern beim 73:71 in letzter Sekunde zum Sieg. Für Pesic verschmerzbar – „das hat unsere Position nicht verändert“, sagte er. Diesmal würde es vermutlich schon mehr schmerzen. Denn Pesic hat einen klaren Auftrag: Es soll endlich wieder ein großer Titel her, am liebsten die Euroleague. Natürlich hat Club-Präsident Josep Maria Bartomeu das im Kopf gehabt, als er Pesic 2018 nach Barcelona zurückholte. Und damit ausgerechnet den Mann, der dem Club 2003 den ersten Euroleague-Sieg bescherte.

Der Basketball hat sich weiterentwickelt. Beherrschte der FC Barcelona 2003 die Szene mit kontrolliertem Spiel, so gefällt das Team von 2019 mit attraktivem Tempobasketball. Auch der Coach ist nicht mehr der gleiche – sagt der Coach; „Der Trainer hat schon lange verstanden, dass er für die Mannschaft da ist und nicht umgekehrt“, sagte er mit einem Lächeln. Sein Umgangston mit den Profis freilich ist der gleiche geblieben. Der Club nimmt das gerne in Kauf. Auch wenn die „Marca“ zuletzt schrieb, Teile der Mannschaft hätten gegen den serbischen Coach aufbegehrt. Auch der Superstar Nikola Mirotic, der im Sommer aus der NBA übersiedelte. Pesic lächelt darüber. „Er ist der beste Spieler“, betonte er, „mit dem besten Spieler hast du keine Probleme zu haben.“

Die besten Argumente sind Ergebnisse. In der hochkarätigen spanischen Liga ACB (Pesic: Acht Mannschaften könnten dort in der Euroleague spielen“) wie in der Euroleague rangieren die Katalanen auf Platz zwei. Und das trotz eines bemerkenswerten Verletzungspechs. Mit Thomas Heurtel und Kevin Pangos etwa konnten die zwei wichtigsten Taktgeber der Mannschaft noch gar nicht ins Geschehen eingreifen. Zumindest der Franzose Heurtel wird auch noch längere Zeit fehlen. Deshalb holte Barcelona, es ist der große Vorzug eines europäischen Luxusetats, im September kurzfristig noch den Ex-Bayern Malcolm Delaney aus der NBA an Bord. Dass der Euroleague-Spielplan für die Katalanen die Spitzenspiele bislang allesamt auswärts vorsah, kam da nicht unbedingt gelegen. Immerhin: Es blieb bei lediglich drei Niederlagen in Mailand, Madrid und bei ZSKA Moskau. „Es geht immer besser“, sagte Pesic, „aber vor diesem Hintergrund können wir zufrieden sein.“

Das würden die Bayern von sich auch gerne sagen. Svetislav Pesic, der nicht zuletzt durch die familiären Verbindungen zu Sohn und Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic noch beste Drähte nach München pflegt, hat den teilweise sehr holprigen Weg des früheren Arbeitgebers durch diese Saison natürlich verfolgt. „Das ist eine gute Mannschaft, aber sie haben auch Probleme“, sagte er, „und deshalb stehen sie noch nicht so da, wie 1sie wollen.“ Für ihn kommt das nur bedingt überraschend. „Junge Spieler wie Maodo Lo etwa haben sich gut weiter entwickelt“, betonte Pesic, „aber es sind zu viele Spiele, das kann nicht immer auf hohem Niveau funktionieren.“

Heute Abend wird es anders sein, dessen ist sich der Mann, der den FC Bayern 2014 zur Deutschen Meisterschaft und damit zum ersten Titel der Münchner Basketball-Neuzeit führte, schon gewiss. „Gegen uns werden sie sehr motiviert sein, das ist immer so“.

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