Frankfurt – Obwohl der Bereich vor den Kabinen in der Frankfurter Arena inzwischen mit pechschwarzen Stellwänden ziemlich verbaut ist, hallt es hier ungemein. Und so verstärkten sich die Jubelschreie, mit denen die Protagonisten des 1. FC Köln ihrer Freude freien Lauf ließen. Zuvor draußen noch von den eigenen Fans abgefeiert, die zahlreich mitgereist waren. 200 Kilometer Autofahrt über die A3 hatten sich gelohnt: Mit dem 4:2 (1:2) bei Eintracht Frankfurt sendete der Effzeh sein bislang stärkstes Lebenszeichen.
Dass die wachgeküsste Mannschaft des neuen Trainers Markus Gisdol nach dem euphorisch bejubelten Derbysieg gegen die Werkself aus Leverkusen nun den zweiten Europapokalteilnehmer, noch dazu nach 0:2-Rückstand, auf die Bretter schickte, war nicht hoch genug zu bewerten. Ein abgefälschter Distanzschuss von Jonas Hector (44.), dazu fein herausgespielte Treffer von Sebastian Bornauw (72.), Dominick Drexler (81.) und Ismail Jakobs (90.+4) haben den Nebeneffekt, dass sich die Rheinländer vor dem Kellerduell mit Bremen (Samstag 15.30 Uhr) von den Abstiegsplätzen verabschiedeten.
Mit 17 Punkten zu überwintern, hätten selbst kühnste Optimisten kürzlich als Hirngespinst abgetan. Youngster Jakobs hat am Mittwoch schon mal gestrahlt wie ein Kind unter dem Baum. Seine Tor-Premiere bescherte ihm „Gänsehaut“. Mit dem bereits als C-Jugendlichen im Leistungszentrum ausgebildeten Eigengewächs und dem bärenstarken Belgier Bornauw trugen sich zwei 20-Jährige in die Torschützenliste ein. Dazu komplettierten der 17-jährige Jan Thielmann als Rechtsaußen und der 18-jährige Noah Katterbach als Linksverteidiger die Jugend-forscht-Abteilung.
Der Zusammenhang zwischen Erfolgen und Verjüngung ist eklatant, aber Gisdol auch zu simpel. „Die Jungen bringen frisches Blut, bei dem einen oder anderen hat das die Sinne geschärft. Aber ein Junger kann nicht funktionieren, wenn er von den Älteren nicht gut aufgenommen wird. Die Mischung macht es.“
Die aber scheint unter dem 50-Jährigen ebenso wieder zu stimmen wie ein Spielsystem, das sich an den machbaren Möglichkeiten des Kaders orientiert. Eine hoch pressende 4-2-3-1-Formation.
Wozu der Konkurrenzkampf gut ist, zeigte das Beispiel Florian Kainz: Der 27 Jahre alte Österreicher ersetzte nach gut einer Stunde den erschöpften Thielmann, nachdem dem noch gar nicht volljährigen Toptalent nicht viel gelungen war. Prompt war Kainz von seiner ungewohnten rechten Seite zweimal als Wegbereiter des 2:2 und 3:2 erfolgreich. Genauso hatte sich das sein Trainer mit dem feinen Techniker gedacht, den der kommende Gegner Bremen im vergangenen Winter abgegeben hatte. „Schön, dass es so funktioniert hat“, sagte Gisdol, der aber keine Heldenverehrung betreiben wollte. Die ging in dieser zu Extremen neigenden Fußballstadt selten gut. FRANK HELLMANN