München – Der Schalke 04 versuchte in den vergangenen Monaten intensiv, Alexander Nübel, 23, zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen. Trainer David Wagner ernannte ihn zum Kapitän, Sportvorstand Jochen Schneider bot dem Torwart neue Arbeitspapiere mit stark verbesserten Konditionen inklusive Ausstiegsklausel an. Doch der talentierte Torwart lehnte einen Verbleib in Gelsenkirchen ab. Das lag wohl auch daran, dass die Nübel-Seite sich schon über einen Wechsel zum FC Bayern einig war.
Bereits im Sommer waren die Verhandlungen sehr weit fortgeschritten, wie es heißt. Nun wechselt im anstehenden Sommer also das nächste Torwart-Juwel ablösefrei von Schalke nach München. Dieses Szenario erinnert stark an das Jahr 2011, als sich Manuel Neuer dem Rekordmeister anschloss.
Kleiner aber feiner Unterschied: Neuer war von Anfang an als Nummer eins eingeplant, Nübel muss sich hingegen erst mal hinten anstellen. Pikant: Der Noch-Schalker wurde unter anderem mit einer klaren sportlichen Perspektive beim FC Bayern gelockt, die auch bereits Spielpraxis beinhaltet, obwohl Neuer noch aktiv ist. Fast zeitgleich mit dem Bekanntwerden des Nübel-Wechsels sagte Neuer dem „Kicker“, dass er sich durchaus vorstellen kann, noch mindestens vier bis fünf Jahre auf höchstem Niveau zu spielen: „Noch bin ich fit und daher bereit“, sagte er auf die Frage, ob er bei der EM-Endrunde 2024 in Deutschland noch dabei sein werde. Allerdings wurde besagtes Interview geführt, bevor der Transfer des Schalkers nach München öffentlich wurde. Während Nübel einen Fünf-Jahres-Vertrag in München unterschreiben wird, rechnet man in München demnächst auch mit einer Vertragsverlängerung von Neuer bis zur Saison 2023. Schlecht für Nübel, denn der Bayern-Kapitän gilt als Spieler, der jedes Spiel absolvieren möchte. Aktuell fehlt vielen Beobachtern daher noch die Fantasie, wie eine Arbeitsteilung von Neuer und Nübel in der Praxis aussehen könnte.
Vielleicht hält sich Neuer auch deshalb einen Wechsel ins Ausland offen. „Ich habe nie gesagt, dass ich meine Karriere unbedingt in Deutschland beende. Ich habe aber auch nicht gesagt, dass ich den FC Bayern verlassen werde“, sagt er. Aktuell könne er sich einen Wechsel ins Ausland nicht vorstellen, ergänzte er. Eventuell ändert sich diese Ansicht jedoch, wenn Neuer sein Tor künftig häufiger mit Alexander Nübel teilen muss. MANUEL BONKE