Berlin – Im Fußballjahr 2019 hat die deutsche Nationalmannschaft zurück in die Erfolgsspur gefunden. Bundestrainer Joachim Löw, 59, verrät im Interview, welche Schulnote er seinem neuformierten Team gibt und was er von den EM-Spielen in München erwartet.
Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende. Die Nationalmannschaft hat sich als Gruppenerster für die Europameisterschaft qualifiziert und nur ein Spiel verloren. Welche Note hat Ihr Team verdient?
Ich würde eine 2 geben. Unter wirklich schwierigen Voraussetzungen, unterschiedlichen Konstellationen und großen Herausforderungen hat es die Mannschaft am Ende doch sehr gut gelöst. Man spürt eine große Energie in der Mannschaft, einen guten Teamgeist, und man spürt Lust auf Erfolge und gute Spiele.
Was fehlt denn für die Note 1?
Uns haben in diesem Jahr vor allem Kontinuität und Konstanz gefehlt. Das hat auch mit der ständig wechselnden Besetzung zu tun, etwa durch Verletzungen. Mit dem fehlenden Einspielen. Jede Mannschaft, die irgendwann mal einen großen Titel gewinnen will, braucht Automatismen. Da sind wir ein bisschen im Hintertreffen, weil immer wieder andere Spieler auf dem Platz oder im Kader waren.
Unmittelbar nach der EM-Auslosung wirkten Sie trotz der starken Gegner zufrieden. Wie denken Sie jetzt darüber?
Ich verspüre eine sehr große Vorfreude. Das ist eine Gruppe, die hat es in sich, da ist jeder brutal gefordert. Jede Mannschaft muss wahrscheinlich übers Limit gehen, um sich durchzusetzen.
Sie erwarten also Fußballfeste in den EM-Heimspielen in München?
Die Gruppe zieht wirklich alle in ihren Bann. Deutschland gegen Frankreich, Deutschland gegen Portugal, auch der dritte Gegner kann knifflig werden – und das alles schon in der Gruppenphase. Solche Partien wollen die Fußballfans sehen.“ Interview: Jörg Soldwisch