München – „Nachdenken dürfen wir aktuell nicht, sonst verkrampft man“, hat Yasin Ehliz am 8. Dezember nach der bitteren 2:4-Niederlage daheim gegen die Adler Mannheim gesagt. Zu dem Zeitpunkt hatte der EHC München fünf seiner letzten sieben Spiele verloren – ein Wintertief im Eisstadion am Oberwiesenfeld. Eben jener Ehliz war es dann aber auch, der den EHC am Sonntag wieder endgültig auf die Erfolgsspur brachte: Bei der Partie in Düsseldorf bescherte der Angreifer seinem Team erst den Anschlusstreffer und sorgte schließlich 44 Sekunden vor Schluss für den Last-Minute-Sieg. „Wir haben die Mentalität gehabt, dass wir das Spiel noch drehen wollten“, sagte Stürmer Maximilian Kastner.
Das Team von Coach Don Jackson wendet somit innerhalb von fünf Tagen das zweite Mal einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Erfolg. Beim Spitzenspiel in Straubing schoss Yannic Seidenberg seine Mannschaft 25 Sekunden vor Spielende in die Verlängerung und erzielte dann in der Overtime den Siegtreffer. Nicht erst die Duelle in Straubing und Düsseldorf zeigen: den EHC darf man in keinem Spiel abschreiben – erst recht nicht in der letzten Minute. Das kurze Wintertief hat die Moral der Truppe nicht gedämpft. Vor dem entscheidenden Drittel am Sonntag sagte Ehliz in der Pause: „Wir haben gesehen, dass die Düsseldorfer nach dem 2:0 weniger gemacht haben. Das war für uns das Zeichen, dass wir voll draufgehen müssen.“
Die Aussagen beim EHC werden wieder offensiver – von Verkrampfen keine Spur. Zwischen den beiden Comeback-Siegen lag dann noch die Derby-Revanche gegen Augsburg. Eine 6:0-Klatsche verpassten die Münchner dem Erzrivalen: „Wir wollten ihnen zeigen, wer hier der Boss ist“, ließ Trevor Parkes anschließend verlauten. Die Dominanz zeigten die Mannen um Kapitän Patrick Hager nicht nur Augsburg, sondern der gesamten Liga. Mit acht Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger – die Straubing Tigers – thront man an der Tabellenspitze. Einem besinnlichen Weihnachtsfest steht daher nichts im Weg: „Ich persönlich werde nach Garmisch fahren und mit meiner Familie und Freunden Weihnachten feiern. Die ganze Mannschaft hat Montag und Dienstag frei. Ab Mittwochnachmittag greifen wir wieder an, sodass wir am Donnerstag wieder fit sind“, verriet Kastner die Pläne für die Feiertage.
Am zweiten Weihnachtstag empfängt der EHC dann den ERC Ingolstadt (19 Uhr). Das nächste Derby steht an. Die Münchner können das Spiel völlig unverkrampft angehen – die Moral stimmt. Auf einen erneuten Rückstand wird Coach Jackson aber sicher trotzdem verzichten können.