Deutsche Skispringer im Aufwind

Das erhoffte Ass im Ärmel

von Redaktion

PATRICK REICHELT

Es ist bei der Vierschanzentournee ja schon längst eine kleine Tradition geworden. Bei den beiden Springen in Deutschland lässt ein Sponsor Fähnchen verteilen, die neben seinem Logo vor allem Schwarz-Rot-Gold tragen. Die Springerparty soll, so die Argumentation, die richtigen Farben tragen. Die dürftige Ausbeute der DSV-Adler in der ersten Saisonphase lässt erahnen: Die Werbeaktion hätte auch eine müde werden können.

Doch in der Tat: Seit Freitag ist das Textil in Oberstdorf der absolute Renner. Nach der Qualifikation war auch das letzte Fähnchen vergriffen. Gleich drei deutsche Springer in den Top-6, darunter auch der bislang kriselnde Publikumsliebling Markus Eisenbichler – das hat der hiesigen Fangemeinde die nationalen Glücksgefühle zurückgebracht. Dem tat es auch keinen Abbruch, dass der gestrige Ernstfall nicht ganz so strahlend ausfiel. Mit Karl Geiger hatte das deutsche Team aber das erhoffte Ass im Ärmel. Der Lokalmatador versetzte seine Heiomschanze, auf der er schon so viele Niederlagen kassiert hatte, in Ausnahmezustand. Man ahnt: Es könnte was werden mit dem Griff nach dem Tournee-Podest. Dass Markus Eisenbichler seinen tollen fünften Platz aus dem ersten Durchgang im Finale nicht ganz ins Ziel brachte – geschenkt.

Das ist wieder mal so eine Geschichte, wie sie wohl nur das Skispringen schreibt. Es ist eine Sportart, in der Triumph und Desaster nur um Millimeter getrennt sind, die binnen eines Tages Helden zerstören oder eben auch neu machen kann. Der Weg nach Bischofshofen ist noch weit. Wer im Pongau auf dem Siegerpodest stehen will, der muss noch sechs weitere Topsprünge zeigen. Doch zumindest reist das Team des Deutschen Skiverbands mit Rückenwind nach Garmisch-Partenkirchen, wo am Neujahrstag der nächsten Schwarz-Rot-Goldenen Springerparty nichts im Wege steht.

Und auch der Sponsor kann dem weiteren Verlauf dieser 68. Vierschanzentournee ja ganz beruhigt entgegensehen. Für die zweite Turnierhälfte in Innsbruck und Bischofshofen hat man wieder Fähnchen vorbereitet. Die allerdings tragen die Farben Rot-Weiß-Rot. Sicher ist sicher.

patrick.reichelt@ovb.net

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