Flick: Nie wieder Co-Trainer

von Redaktion

Bayern-Coach sieht sich dauerhaft in Chefrolle – Gedankenspiele um System mit zwei Stürmern

München – Acht Jahre lang arbeitete Hansi Flick als Co-Trainer von Jogi Löw bei der deutschen Nationalmannschaft – im Schatten des Bundestrainers gewissermaßen. Zuvor war der Heidelberger in eben dieser Position bereits rund zwei Monate für RB Salzburg im Einsatz gewesen. Im Sommer 2019 heuerte Flick beim FC Bayern an, wieder als Assistent. Anfang November rückte der 54-Jährige ins Rampenlicht, als er die Nachfolge von Chefcoach Niko Kovac antrat. Und heute – gut zwei Monate später – kann er sich eine Rückkehr ins zweite Glied in München nicht mehr vorstellen.

Flick, Typ sympathischer Badenser, lässt sich ungern zu glasklaren Aussagen verleiten. Und so hat er sich auch in dieser Sache ein Hintertürchen eingebaut. Er sagte dem Kicker auf die Frage, ob er sich ab Sommer 2020 wieder die Rolle des Co-Trainers vorstellen könne: „Ich kann mir vieles vorstellen, aber das kann ich mir im Moment nicht vorstellen.“ Als Chef hingegen kann Flick sich so einiges vorstellen – auch einen Verbleib über 2020 hinaus. Zitat: „Es spricht ja nichts dagegen, dass man weitermacht, wenn es erfolgreich verläuft.“

Das Signal ist klar: Flick hat Blut geleckt. Er vermittelt mit seinen Aussagen das Gefühl, dass das Trainingslager in Katar (4. bis 10. Januar) gar nicht schnell genug beginnen kann. Es gibt viel zu tun. Flick: „In der Rückrunde müssen wir flexibler sein. Wir hatten wenig Zeit, um Inhalte richtig trainieren zu können. Deshalb ist es eines unserer Ziele in der Vorbereitung, dass wir uns mehrere Optionen erarbeiten.“ Dabei denkt der Bayern-Coach an ein System mit zwei Stürmern – für „mehr Präsenz im Zentrum“. Außerdem müsse sein Team Lösungen entwickeln, wenn der Gegner früh stört. Im Kampf um die Meisterschaft dürfen sich die Münchner in der Rückrunde vermutlich nicht viele Ausrutscher leisten. Ein Grund: RB Leipzig. Flick meint: „Leipzig hat von allen Konkurrenten das größte Potenzial und die meisten Optionen. RB verfügt über einen guten und ausgeglichenen Kader.“

Eine solche Aussage lässt sich in der Theorie auch über das bayerische Staraufgebot treffen. Eine gehörige Portion Verletzungspech sorgte gegen Ende der Hinrunde aber dafür, dass mehr Nachwuchstalente als gestandene Profis die Bank füllten. Bessert der FC Bayern im Winter also personell nach? Flick: „Wintertransfers bringen einer Mannschaft immer nur dann etwas, wenn sie sofort weiterhelfen – und das ist schwierig.“ Dennoch beobachte der Klub den Markt, gehandelt werde aber nur, wenn man „absolut überzeugt“ sei.

Als Neuzugang aus den eigenen Reihen könnte Joshua Zirkzee durchgehen. Der 18-Jährige schoss den FCB jeweils als Joker zum 3:1 in Freiburg und zum 2:0 gegen Wolfsburg. Ob der Niederländer eine potenzielle Ersatzkraft für den unersetzlichen Robert Lewandowski sein könnte? Flick ist da Realist, er sagt: „Da lassen wir schön die Kirche im Dorf.“

Um Jerome Boateng ranken sich – wie üblich, wenn das Transferfenster in Kürze öffnet – Gerüchte bezüglich eines Abschieds aus München. „Für ihn waren die vergangenen anderthalb Jahre nicht ganz einfach. Da spielen mehrere Dinge rein“, meint Flick. „Die Entscheidung über seine Zukunft muss Jerome treffen, weil es seine Karriere ist.“ Und ähnlich wie Flick ist Boateng eben gerne Chef, Abwehrchef. Das durfte er zuletzt aber nur selten sein.  jau

Artikel 3 von 11