Oberstdorf – Ein bisschen Arbeit musste auch gestern sein. Der Tross des Deutschen Skiverbandes (DSV) hatte die Weiterreise nach Partenkirchen auf den ersten Ruhetag der Vierschanzentournee vertagt. Dabei freilich wollte es Bundestrainer Stefan Horngacher dann auch belassen. „Wir nehmen den Ruhetag wörtlich“, sagte der 50-Jährige, „für Ruhe.“ Einen Tag „Faulenzen“ sollten sich seine Schützlinge dann doch genehmigen. Kräfte zurückholen nach dem emotional aufreibenden Auftakt am Schattenberg. Denn: „Nichts ist bei der Tournee so wertvoll wie Kräfte.“
Und die DSV-Adler konnten die Auszeit mit einem Lächeln antreten. Der Einstieg in Oberstdorf machte für die weiteren Tourneetage Mut. Und das nicht nur Vorflieger Karl Geiger wegen. Vor allem die Vorstellungen von Markus Eisenbichler, der mit Platz elf zu seinem besten Saisonresultat flog, hatten es dem Bundestrainer angetan. „Sich ausgerechnet bei der Tournee so aus dem Sumpf zu ziehen, das ist richtig stark“, schwärmte Horngacher. In Eisenbichlers Rücken hatten Pius Paschke und Stephan Leyhe mit den Plätzen 12 und 13 das starke deutsche Mannschaftsergebnis komplettiert.
Ein Aufwind, für den es der neue deutsche Coach vor dem Start mit viel Psychologie versucht hat. Horngacher führte Einzelgespräche und Horngacher führte seinen Sorgenkindern Videos mit den Szenen der vergangenen Vierschanzentournee vor, bei der in Eisenbichler (2.) und Leyhe (3.) gleich zwei Deutsche aufs Tourneepodest geflogen waren. Nur ja mit einem guten Gefühl auf die Schanze steigen und nicht mit den Zweifeln eines weitgehend durchwachsenen ersten Saisondrittels. Bei Eisenbichler ging die Sache auf, der kriselnde Dreifach-Weltmeister aus Siegsdorf hatte früh geahnt, dass ihm Oberstdorf auch in diesem Jahr die Wende bringen könnte: „Ich habe irgendwie schon gewusst, dass es gut wird, wenn ich hier antrete.“
Bei Richard Freitag freilich half auch die beste Seelenmassage nicht. Der Wahl-Oberstdorfer hatte als Qualifikations-59. sogar den Auftaktwettbewerb verpasst. Nach einer Nacht Bedenkzeit hatte Horngacher dann den erwartbaren Beschluss gefasst. Freitag steigt nach nur einer Station aus der Tournee aus – Youngster Adrian Sell wird bereits in Garmisch-Partenkirchen an seiner Stelle in den Kader rücken. Für den Bundestrainer ein logischer Schritt: „Der Richie ist momentan nicht in der Lage, so einzugreifen, dass er schnell auf ein hohes Niveau kommt.“
Statt sich durch die drei ausstehenden Tourneestationen zu quälen, soll der schwer verunsicherte Sachse in der Heimat im Training an seiner Form feilen. Freitag hatte nach seinem schwer verunglückten Qualifikationssprung in Oberstdorf über massive technische Probleme geklagt. rp