Liverpool – Jürgen Klopp schimpft, Pep Guardiola ist frustriert: Der Video-Assistent (VAR) sorgt in der Premier League einmal mehr für viel Kritik. Wie in der Bundesliga verursacht das für Schiedsrichter gedachte Hilfsmittel in der englischen Top-Liga eine Menge Chaos. „Ein großes Durcheinander. Jede Woche“, ärgerte sich Man-City-Trainer Guardiola nach vielen strittigen Szenen vor allem am letzten Spieltag des Jahres. „Der VAR hat die Premier League zum Gespött gemacht“, titelte das Boulevardblatt „The Sun“.
Geht es in Deutschland oft um Handspiele, erzürnen auf der Insel vor allem die mit bloßem Auge nicht zu sehenden Abseitsstellungen die Gemüter. Gegebene Treffer der Ex-Schalker Teemu Pukki (Norwich City) und Max Meyer (Crystal Palace) sowie Wolverhamptons Stürmer Pedro Neto wurden nachträglich aberkannt, weil der Torschütze oder der Vorlagengeber zuvor im Abseits gestanden haben soll. Gemessen mit einer kalibrierten Linie, aber eigentlich nicht zu erkennen.
Während in Deutschland aus dem sogenannten Kölner Keller entschieden wird, kommen in England die Einsprüche aus der VAR-Zentrale in Stockley Park, einem Gewerbegebiet im Londoner Stadtteil Hillingdon. „Es gefällt mir nicht, dass Entscheidungen von Schiedsrichtern getroffen werden, die kilometerweit entfernt sind“, ätzte Wolverhamptons Trainer Nuno Espírito Santo. Zuspruch bekam der Portugiese dabei auch von Klopp.
Wolverhampton hatte am Sonntag beim 0:1 in Liverpool besonders viel Pech. Vor dem Tor-Klau sorgte der Video-Assistent dafür, dass ein eigentlich abgepfiffener Liverpool-Treffer durch Sadio Mané anerkannt wurde. Erst entschied Schiedsrichter Anthony Taylor auf Handspiel von Vorlagengeber Adam Lallana. Einspruch aus London. Doch zuvor spielte bereits Virgil van Dijk den Ball mit der Hand. „Der Schiedsrichter meinte, er wäre zu weit weg gewesen“, sagte Wolves-Kapitän Conor Coady. „Es ist frustrierend, dass wir nur noch über den VAR reden.“
Dies sieht auch Gary Lineker so. Für den ehemaligen Torjäger, bekennender Gegner des VAR, wird die Emotionalität im Fußball durch die Interventionen aus London irgendwann sterben. „In den schweren Zeiten bin ich in Gedanken beim Fußball“, spottete er. Der frühere englische FIFA-League-Schiedsrichter Mark Clattenburg ergänzte in seiner Kolumne bei der „Daily Mail“: „Die Aufregung und der Geist des Spiels sind durch diese Abseits-Technologie in Gefahr.“
Auch Klopp schimpfte am Sonntagabend nach dem zehnten Premier-League-Sieg in Serie und merkte an, dass er keine Tore mehr „feiere“. „Wir müssen warten, bis jemand sagt, dass es ein Tor ist“, erklärte er. Zudem ärgert sich Klopp über die langen Unterbrechungen während der Überprüfungen. „Wir haben Dezember, bald kommt der Januar. Wenn die Spieler so lange herumstehen müssen, ist das nicht gut“, monierte er.
Trainer-Kollege Guardiola hofft irgendwie, dass es „nächstes Jahr besser wird“. Er habe allerdings so viele Fragen an den VAR. Englands frühere Nationalstürmer Gary Lineker witzelte: „Wenn der VAR ein Trainer wäre, wäre er schon vor Wochen entlassen worden.“ dpa