Kahns Einstieg: Schritt für Schritt

von Redaktion

Doha-Stippvisite des neuen Bayern-Vorstands wohl erst in zweiter Hälfte des Trainingslagers

VON HANNA RAIF UND MANUEL BONKE

München – Die neuen Räumlichkeiten sind bezugsfertig, der Arbeitsplatz auf der Vorstandsebene eingerichtet. Und trotzdem ist Oliver Kahn gestern, an seinem ersten offiziellen Arbeitstag beim FC Bayern, nicht in die Geschäftsstelle an der Säbener Straße marschiert und hat gesagt: „Servus, hier bin ich! Wo ist mein Schreibtisch? Jetzt fange ich an.“ So einfach, das hat der 50-Jährige mit diesem Zitat vor ein paar Wochen selbst verdeutlichen wollen, ist sein neuer Job nicht. Vielmehr geht es für den einstigen „Titan“ erst mal darum, Schritt für Schritt anzukommen in dieser für ihn bekannten und doch so neuen Welt.

Viel los ist derzeit nicht beim Rekordmeister, denn die Mitarbeiter diverser Direktionen haben – bis auf wenige Ausnahmen – frei bis zum Dreikönigstag. Freilich dürfte Kahn sich vorher einrichten und auch zugegen sein, wenn Hansi Flick seine Spieler am Samstag in aller Herrgottsfrühe zum Frühstück empfängt, ehe der Tross in Richtung Flughafen rollt. Anders als bisher vermutet aber wird Kahn wohl nicht an Bord der Maschine QR 7452 nach Doha sitzen. Die von Präsident Herbert Hainer angekündigte Stippvisite im Trainingslager wird erst in der zweiten Hälfte des sechstägigen Trips stattfinden, zuvor soll Kahn offiziell in München vorgestellt werden. Alles geht den geregelten Weg, der Reihe nach.

Viel hat der ehemalige Torhüter ja noch nicht gesprochen, seitdem er zum Bayern-Mann der Zukunft ernannt wurde. Man weiß, dass er zunächst als einfaches Mitglied des Vorstands fungiert und ab 1. Januar 2022 Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandsvorsitzenden beerben wird. Man weiß, dass sowohl Rummenigge als auch Mentor Uli Hoeneß viel von ihm halten. Und man weiß vor allem seit der Jahreshauptversammlung im November, dass die Fans des FC Bayern sich freuen auf den frischen Wind an der Clubspitze. Hoeneß sagte nach tosendem Jubel in Richtung Kahn: „Da hast Du viel Arbeit, um diese Vorschusslorbeeren zu rechtfertigen.“ Er erntete dafür Lacher – dabei hatte er schon recht.

Kahns Arbeit hat gestern im Stillen begonnen, wie genau er sich sein Handeln und Wirken vorstellt, wird er dann kommende Woche preisgeben. „Oliver kennt den Fußball, er kennt die Wirtschaft, und er trägt die DNA des FC Bayern in sich“, hat Hoeneß mal gesagt. Das sind gute Grundvoraussetzungen, die jedoch ausgebaut werden sollen und müssen. Geplant ist, dass der Champions-League-Sieger von 2001 die ersten beiden Jahre seines Fünfjahresvertrags als Lehrzeit nutzt, um die Vorgänge in allen Abteilungen des Klubs kennenzulernen und zu verstehen. Rummenigge soll als Lehrmeister dienen, wird seinem Nachfolger aber den nötigen Freiraum lassen, eigene Ideen einzubringen und zu verwirklichen. Die erste Zeit nannte der derzeitige Clubchef „On-boarding“. Es wurde intern ausgeklügelt, wie Kahn schnell und gut „an Bord kommt“.

Das „boarding“ für den Flug nach Doha wird er aber nicht im großen Tross absolvieren, sondern als Nachzügler. Ab Mitte der Woche werden dann in Doha die Kameraobjektive ausgefahren – auf der Suche nach dem ersten Motiv mit dem Namen: Kahn bei der Arbeit.

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