Doha – Am Tag nach seiner Vorstellung im nasskalten München begann Oliver Kahn am Mittwoch in Katar sein neues Leben in der Sonne. Um 10.52 Uhr Ortszeit trat Kahn, der designierte Bayern-Boss, in die katarische Sonne. Begleitet von Oli-Oli-Rufen schrieb der Titan, lässig in blauer Jeans und blauem Polo-Shirt, auf der Hotel-Terrasse Autogramme, ehe er mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic in Richtung Trainingsplatz marschierte.
Zuvor begrüßte er die Spieler beim gemeinsamen Frühstück. Anschließend beobachtete er das Training unter einem weißen Pavillon und unterhielt sich mit Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und dem restlichen Staff.
Als Hansi Flick die Vormittagseinheit beendet hatte, suchte der Titan das Gespräch mit ihm. Anschließend zeigte ihm Salihamidzic noch den Fitness- und Rehabereich. Kahn wirkte sichtlich entspannt, nahm sich auch auf dem Rückweg ins Hotel Zeit für Autogramme. Angespannter dürfte das neue Bayern-Vorstandsmitglied während seines Flugs nach Doha gewesen sein. Nicht nur, weil die Maschine erst mehr als eine Stunde später als geplant in München abhob, sondern weil er auch beinahe in einen Raketen-Hagel an der irakischen und iranischen Grenze geraten wäre.
Kurz nachdem der Kahn-Flieger laut Flight-Radar in der Nähe der irakischen Grenze entlang unterwegs war, hatte der Iran um 23:30 Uhr Raketen auf US-Militärstützpunkte in Erbil und der Provinz Al-Anbar abgefeuert. Stunden später kam es zum Absturz einer ukrainischen Boeing 737 nahe Teheran. Erst nach 0.30 Uhr erreichte Kahn in Begleitung von Medien-Direktor Stefan Mennerich das Teamhotel Al Aziziyah. In Doha geht es für den künftigen Vorstandsboss jetzt darum, das Innenleben des Vereins kennenzulernen. „Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mir einen ersten Einblick zu verschaffen. Wie ist die Stimmung, wie sind die unterschiedlichen Spieler im Moment drauf?“, hatte Kahn angekündigt. Die Spieler sind abgesehen vom gemeinsamen Frühstück noch nicht wirklich mit ihrem Vorgesetzten in Kontakt gekommen, wie Thomas Müller verriet: „Es gab jetzt noch keine Mannschaftsansprache von ihm. Er muss sich ja nicht groß vorstellen, das ist sein Vorteil. Selbst die jüngeren Spieler kennen ihn. Es ist immer schön, wenn jemand dazukommt, der eine Ausstrahlung hat.“ Müller ist überzeugt, dass der Titan-Start dem FC Bayern als Verein guttun wird, auch wenn „wir als Mannschaft nicht so viel Kontakt haben oder nicht so viel von einem CEO beeinflusst werden. Weder vom Karl-Heinz Rummenigge jetzt, noch von einem Oliver Kahn.“
Beobachten will Kahn aber alles genau und wird daher auch erst am Freitag mit der Mannschaft zurück nach Nürnberg fliegen, wo die Bayern am Samstag (15.30 Uhr) ein Testspiel gegen den Zweitligisten 1. FC Nürnberg bestreiten. Auch das wird sich der baldige Bayern-Boss genau anschauen.