Doha – Lucas Hernandez trainierte auch gestern nur individuell. Serge Gnabry musste die morgendliche Laufeinheit erneut wegen Problemen mit der Achillessehne abbrechen – und aus München kam offiziell die Nachricht, dass Kingsley Coman beim Rückrunden-Auftakt gegen Hertha BSC am 19. Januar fehlen wird. Daher nutzte Bayern-Trainer Hansi Flick gestern die Gunst der Stunde und ließ gegenüber einigen Reportern nicht ganz uneigennützig folgenden Satz fallen: „Die Personalsituation ist echt mau.“ Flick forderte intern bereits häufiger Winter-Neuzugänge – nun macht er seine Forderung öffentlich.
In diesem Zusammenhang verriet der Trainer, dass Coman auch im ersten Rückrunden-Heimspiel am 25. Januar gegen Schalke fehlen wird. Der Außenstürmer brauche nach seiner Knieverletzung einen mehrwöchigen Aufbau vor dem Comeback, bemerkte Flick angesichts der speziellen Verletzungsgeschichte von Coman.
Vize-Kapitän Thomas Müller kann die Transfer-Forderungen seines Trainers verstehen. Er meinte: „Mit King und Serge sind zwei Außenstürmer gleichzeitig verletzt. Man muss schon sagen, dass wir jetzt zu viele verletzte Spieler haben. Wenn die in kurzer Zeit zurückkommen, ist alles gut, aber wenn dann noch einer ausfällt, kommt man langsam an die Grenze. Optimal ist es jetzt nicht.“ Auch deswegen, weil Joshua Kimmich den Rückrunden-Auftakt wegen einer Gelbsperre verpassen wird.
Aber warum fordert Flick plötzlich so offensiv Neuzugänge? Der Trainer hat Angst, die ausgegebenen Saisonziele – Meisterschaft, Pokalsieg und das Erreichen des Champions-League-Halbfinals – nicht verwirklichen zu können. Darum wirbt er jetzt auch öffentlich für Winter-Transfers – und erhöht damit auch den Druck auf Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Der betonte bereits mehrmals, dass man im Winter zwar nach möglichen Verstärkungen Ausschau halte, aber nichts überstürzen werde. Sollte Flick neue Spieler bekommen, dann nur auf Leihbasis. Denn: Den Münchnern steht wieder ein Hundert-Millionen-Transfer-Sommer bevor, falls Spieler wie Leroy Sané und Kai Havertz verpflichtet werden. Weil die Bayern im Sommer groß in die Zukunft investieren wollen, wollen sie jetzt nicht voreilig unnötig viel Geld ausgeben. Ob freilich der Trainer im Sommer immer noch Flick heißt, steht nach wie vor nicht fest bok