La Manga – „Die erste Million ist die schwerste.“ Diese Lebensweisheit, gern gehört im Club der reichen Leute, scheint nun auch auf den TSV 1860 zuzutreffen. Es ist gerade mal eine Woche her, da verkündeten die Löwen stolz, einen stattlichen Nachschlag aus dem Transferpaket des Ex-Kapitäns Julian Weigl (von Dortmund nach Lissabon) erhalten zu haben. Gestern nun diese nicht minder frohe Kunde: Marin Pongracic, 22, kurz vor dem Doppelabstieg in sieben Zweitligaspielen für 1860 im Einsatz, wechselt von RB Salzburg zum VfL Wolfsburg. Die kolportierte Ablöse beträgt 10 Millionen Euro, von denen nach Informationen unserer Zeitung 12 Prozent aufs Konto des Giesinger Drittligisten wandern.
Die Erwartung eines erneuten Geldsegens bestätigte Sportchef Günther Gorenzel nach dem gestrigen Training in La Manga. „Ich hab’s letzte Woche schon gesagt: Das Jahr 2019 hat sportlich gut aufgehört – und 2020 beginnt in kaufmännischer Hinsicht gut.“ Nicht ganz so gut läuft es dagegen bei der internen Debatte über die Verwendung der Pongracic-Million. Gorenzels Standpunkt ist klar: Er will das Geld in den Kader stecken und den Etat für die nächsten zwei Jahre um jeweils eine halbe Million Euro erhöhen (von 3 auf 3,5 Millionen). Herauszuhören ist aber auch, dass das nicht alle im Verein so sehen – speziell auf Gesellschafterebene scheint eine kontroverse Debatte entbrannt zu sein.
„Meine Aufgabe ist es jetzt, mich klar zu positionieren“, ging Gorenzel verbal in die Offensive: „Es ist ja vollkommen klar: Je mehr Geld wir zur Verfügung haben, desto besser wird die Mannschaft nächstes Jahr aussehen. Das muss unser Ziel, und das ist ganz klar mein Anspruch – und auch der von Michael Köllner.“ Und noch mal, damit das auch im letzten Winkel von Giesing und/oder Abu Dhabi ankommt: „Das Ziel muss ganz klar sein, dass wir uns nach oben orientieren.“
Unabhängig vom Ergebnis der Debatte steht fest: Pongracic war renditemäßig eine der besten Personalien in der Geschichte des TSV 1860. Geholt hatten ihn die Löwen im Sommer 2017, als der FC Ingolstadt keine Verwendung mehr hatte für das Verteidigertalent. Ursprünglich war der damals 19-Jährige für die von Daniel Bierofka trainierte U 21 vorgesehen. Ein Dreivierteljahr später, als die Profis in Abstiegsnot gerieten und Bierofka den Trainerstab des Portugiesen Vitor Pereira ergänzte, wurde Pongracic befördert – und machte sich in wenigen Spielen einen Namen. Der sich für 1860 nun schon zum zweiten Mal in barer Münze auszahlt.
Und es könnte sogar noch besser kommen: Sollte der FC Augsburg Felix Uduokhai, 22, fest verpflichten, winkt der nächste Geldsegen, womit 1860 zumindest in der 3. Liga zu den Clubs der Wohlhabenden aufsteigen würde.