Glücksgefühle in der Wahlheimat

von Redaktion

Vanessa Hinz freundet sich dank Rang 8 endlich mit Ruhpolding-Weltcup an

VON ARMIN GIBIS

Ruhpolding –– Claus Pichler, der Bürgermeister von Ruhpolding, erinnerte sich zur Einstimmung auf die Weltcup-Woche an seinen Lieblingsvergleich: „Mein Motto lautet: Ruhpolding ist das Wimbledon des Biathlons“, sagte er gestern bei der Eröffnungspressekonferenz. Für Vanessa Hinz hatte sich allerdings bislang die Begeisterung für das oberbayerische Heimspiel in Grenzen gehalten: „Ich hatte lange Zeit keine Freundschaft mit dem Ruhpoldinger Weltcup geschlossen.“ Doch das dürfte sich gestern vor 8000 Zuschauern geändert haben. Die fehlerfrei schießende Schlierseerin verbuchte mit dem 8. Rang nicht nur ihr klar bestes Saisonergebnis, sondern sie war auch beste Deutsche. „Ich bin überglücklich“, sagte die 27-Jährige.

Auf dem Podest trafen sich unterdessen die zwei derzeit dominierenden Skijägerin. Die Norwegerin Tiril Eckhoff siegte zum fünften Mal in diesem Winter und nahm damit der Tagesdritten Dorothea Wierer (Italien) das Gelbe Trikot der Weltcup-Führenden ab. Zwischen die beiden schob sich noch die schwedische Olympiasiegerin Hanna Öberg. „Gelb“, so erklärte Eckhoff, „ist meine Lieblingsfarbe.“ Wierer macht sich nicht nur deswegen auf einen harten Kampf gefasst: „Es wird schwer, Tiril das Trikot wieder abzunehmen.“

Die deutsche Frau für die Podestplätze ist eigentlich Weltmeisterin Denise Herrmann. Auch sie unterhält eine spezielle Beziehung zu Ruhpolding: „Es ist wie mein Wohnzimmer.“ Seit Jahren trainiert Herrmann hier, doch gestern fand sie sich in gewohnter Umgebung nicht sonderlich zurecht. Dreimal musste die frühere Langläuferin in die Strafrunde und sich am Ende mit Platz 19 zufriedengeben. Ihren Auftritt fasste sie mit wenigen Worten zusammen: „Läuferisch top, im Schießen flop.“

Auch Vanessa Hinz dreht ihre Trainingsrunden in Ruhpolding. Und grundsätzlich ist sie vom dortigen Fluidum sehr angetan. „Ich lebe seit 2011 in Ruhpolding. Ich liebe die Umgebung, die Berge. Ich liebe die Leute.“ Doch bei dieser innigen Zuneigung zur Wahlheimat klammerte sie – bis gestern – einen nicht ganz unbedeutenden Punkt aus: „Ich bin hier in der Vergangenheit kein einziges gutes Rennen gelaufen.“ Diesen Bann hat sie nun gebrochen. Die Gründe? „Ich habe mich vom Publikum nicht verrückt machen lassen. Und ich hatte diesmal das Glück auf meiner Seite.“ Ihr Fazit: „A sauguads Rennen.“

Im deutschen Lager gab es gestern noch ein lächelndes Gesicht. Franziska Preuß war 14. geworden. Für ihre normalen Verhältnisse wäre das kein herausragendes Resultat. Aber es gab eben besondere Umstände, die den 14. Platz enorm aufwerteten. Zwei Wochen lang hatte Preuß – wieder einmal – wegen eines Infekts aussetzen müssen. „Echt nervig“, sei die Zwangspause gewesen, die auch stark an ihren Kräften genagt habe.

Doch trotz des Trainingsrückstandes lieferte die 25-Jährige vom SC Haag eine erstaunlich stabile Leistung ab. Sie glänzte mit zwei fehlerfreien Schnellschuss-Serien, ihr 14. Platz ist ein starker Neuanfang. Auch wenn sie sich auf der Loipe – erwartungsgemäß – schwer tat. „Das Laufen hat mich extrem angestrengt. Das war wirklich zäh“, erzählte sie. Doch letztlich hat sich Preuß durchgebissen: „Ich bin stolz, dass ich das so hingekriegt habe.“

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