München – Die Meldung, die vor einigen Tagen aus Augsburg kam, hatte mit dem EHC München vordergründig nichts zu tun. Die Panther vermeldeten stolz die Vertragsverlängerung mit Olivier Roy. Der kanadische Torhüter war in den Playoffs 2019 (vor allem in der epischen Halbfinalserie gegen München) der große Rückhalt gewesen, er hatte daraufhin Begehrlichkeiten geweckt. Es wurde damit gerechnet, dass er 2020 zu den Kölner Haien wechseln würde, wohin Mike Stewart, der Trainer der Augsburger Panther, nach der letzten Saison gegangen war. Doch nun: Roy bleibt im Biotop Augsburg, und Köln, das seinen langjährigen Stammkeeper Gustaf Wesslau (kehrt heim nach Schweden) wird ersetzen müssen, braucht einen anderen Mann fürs Tor. Vielleicht aus München?
Der Torhütermarkt in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) kommt in Bewegung, weil Verträge auslaufen. Die von Danny Aus den Birken und Kevin Reich in München, wie gesagt der von Wesslau in Köln – und der von Mathias Niederberger in Düsseldorf. Es könnte zu Verlagerungen kommen – und am Ende Niederberger ab 2020/21 im Tor des EHC München stehen. Und Danny Aus den Birken, der gebürtige Düsseldorfer, im Westen.
Mathias Niederberger ist – so sieht es zumindest Bundestrainer Toni Söderholm – der beste deutsche Torwart in der DEL. Er nominierte ihn für die WM 2019, auch beim Deutschland Cup im November war Niederberger als Nummer eins (vor dem Nürnberger Niklas Treutle) ausgewiesen. 2019 wurde er zudem als DEL-Torhüter des Jahres ausgezeichnet.
Beim EHC München hat Niederberger schon einmal unterschrieben. 2013, als die Red-Bull-Ära begann, sollte er zum Goalie der Zukunft aufgebaut werden. Er bekam dann aber ein Angebot aus Nordamerika, der EHC wollte ihm diesen Weg nicht verbauen und erteilte die Freigabe. Ein Jahr später landete Niederberger dann doch in der DEL, aber bei den Eisbären Berlin. Die überließen ihn – historischer Fehler – der Düsseldorfer EG, wo er seit 2015 reifte.
Sein Vater ist Andi Niederberger, gebürtiger Tölzer und in den 80er- und 90er-Jahren einer der besten deutschen Eishockey-Verteidiger. Club: die DEG. Heute ist Niederberger Heilpraktiker in einer Düsseldorfer Tagesschönheitsfarm – und, so hört man, knallharter Vertreter der Interessen von Mathias und darum ein gefürchteter Verhandler. Mathias ist 27 und in der besten Position für einen großen Kontrakt. Den nicht viele Vereine bieten können: Mannheim, Köln, München. Mannheims Torhüterpositionen sind für 2020/21 aber bereits besetzt (Dennis Endras und der Wolfsburger Felix Brückmann), Köln ist in Anbetracht der Verwurzelung der Niederbergers in Düsseldorf kaum vorstellbar. Mathias’ Bruder Leon spielt bei der DEG (er ist Stürmer und lokal erfolgreicher Popsänger), Schwester Zoe, 12, wuchs in der Düsseldorfer Eiskunstlaufabteilung auf, trat eben erst sogar beim „Holiday on Ice“-Gastspiel in ihrer Heimatstadt auf (mittlerweile trainiert sie in Oberstdorf und ist Bayerische Meisterin).
Köln würde nicht zur Niederberger-Family passen. München dann schon eher. Der EHC ist auf der Goalie-Position gut bestückt, doch Danny Aus den Birken mit 34 kein Kandidat für einen langfristigen Vertrag; zudem war der Olympia-Silber-Torwart immer wieder bei West-Clubs im Gespräch und machte auch keinen Hehl daraus, dass er in Bayern nicht sesshaft werden wolle.
Als wahrscheinlichstes Szenario handelt die Eishockeyszene, dass die Münchner kommende Saison mit einem Duo Mathias Niederberger/Kevin Reich an den Start gehen werden. Das würde zum hohen sportlichen Anspruch des EHC passen.
Zunächst ist aber noch der Rest der Saison 19/20 zu spielen. Heute (19.30 Uhr) muss der EHC München in Bremerhaven antreten. Traditionell unangenehmer Gegner, Pinguins-Torhüter Tomas Pöpperle hat den EHC schon einige Male entnervt. Derzeit ist er verletzt und wird von Kristers Gudlevskis vertreten. Lette, Nationaltorhüter, war sogar schon in der NHL. Auch ein Guter.