Ruhpolding – Für Philipp Nawrath, 26, hat die Biathlon-Karriere als Fan begonnen. Aufgewachsen ist er in Nesselwang, und anno 2006 befand sich der 3600-Einwohner-Ort im Ausnahmezustand. Der Biathlet Michael Greis, gebürtiger Nesselwanger, gewann bei den Olympischen Spielen Turin drei Goldmedaillen. Ein Jahrhundertereignis für die Marktgemeinde im Allgäu. „Da war eine so riesige Euphorie, das hat mich gepackt“, erzählt Nawrath von diesem Schlüsselerlebnis als 13-Jähriger. Für ihn war damals klar: Er wollte ein Biathlet werden wie der Greis Michi, Nesselwangs Volksheld.
Immerhin hat es Nawrath inzwischen zum WM-Teilnehmer geschafft. Im vergangenen Jahr bei den Titelkämpfen in Östersund wartete er im Sprint (12. Platz), in der Verfolgung (21.) und im Massenstart (15.) mit vielversprechenden Talentbeweisen auf. Dass der Polizist sein Weltcup-Saisondebüt erst heute im Ruhpoldinger Sprintrennen gibt, hängt auch mit dem Qualifikationsmodus der DSV-Biathleten zusammen. Ausschlaggebend waren die Ergebnisse im Sommer. Doch auf Rollerski fühlt sich Nawrath nicht sehr wohl. „Für mich sind richtige Ski und Schnee optimal.“ Den Sprung ins Weltcup-Team verfehlte er nur knapp.
Nawrath nahm die Zurückversetzung klaglos hin. „Man muss da auch Respekt haben. Das sind im A-Kader alles Athleten, die über viele Jahre hinweg sehr gute Leistungen geliefert haben.“ Doch in der Riege der Etablierten erlebten zwei Spitzenkräfte in diesem Winter den Absturz ins Formtief. Die Ex-Weltmeister Simon Schempp (31) und Erik Lesser (31) mussten – zumindest vorübergehend – ihren Platz im Weltcup-Kader räumen. Für Nachrücker Nawrath hatte sich ausgezahlt, dass er unverdrossen seine Chance im zweitklassigen IBU Cup suchte. Zuletzt gewann er als Führender der Gesamtwertung das Sprintrennen in Osrblie – und machte damit seinen Ruhpolding-Start perfekt.
Mehr als einen Vorgeschmack auf die lautstarke Kulisse in der Chiemgau Arena hatte Nawrath schon kurz vor Jahreswechsel bei der Team Challenge in Gelsenkirchen bekommen, wo er im Duo mit Laura Dahlmeier startete. „Als Erster vor 46 000 Zuschauern ins Stadion zu laufen, das war schon wild.“
Mit Greis (43), derzeit Trainer der polnischen Biathletinnen, steht er inzwischen übrigens in regelmäßigem Kontakt. „Er gibt mir viel Unterstützung“, erzählt Nawrath. Wobei er Parallelen zum Sportlerleben von Greis sieht: „Auch er hat es anfangs nicht leicht gehabt.“ gib