München – Bereits fünfeinhalb Monate vor seinem Dienstantritt beim FC Bayern hat Alexander Nübel etwas geschafft, das dem derzeitigen Münchner Ersatzkeeper Sven Ulreich in seinen fast fünf Jahren kaum mal vergönnt war: Er diktiert die Schlagzeilen. Der Stein des Anstoßes ist jeweils der gleiche, nämlich die Frage: Warum setzt sich ein so talentierter 23-Jähriger wie Nübel freiwillig drei Jahre lang hinter Manuel Neuer auf die Bayern-Bank?
„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich zu Vertragsinhalten nicht äußern werde. Aber es dürfte jedem klar sein, dass Bayern München auch dazu ein schlüssiges Konzept vorgelegt hat, sonst hätte Alex nicht zugesagt“, erklärte Nübels Berater Stefan Backs. Eine Klausel, wonach dem Keeper eine gewisse Anzahl an Einsätzen schriftlich zugesichert worden sein soll, gibt es nach Informationen unserer Zeitung nicht.
Bundestrainer Joachim Löw hält den Wechsel des Schalkers nach München für riskant. Er sagte: „Wenn ein Spieler mit 20, 21 Jahren zwei oder drei Jahre auf der Bank sitzt, weiß ich nicht, ob das nützlich ist.“ Noch deutlicher wurde Peter Neururer. Der Ex-Bochum-Coach wetterte bei WDR2: „Sportlich ist Nübel der schlecht-beratenste Spieler Deutschlands. Der sitzt so lange auf der Bank, wie Neuer Lust hat zu kicken.“ Und der FCB-Kapitän soll seinen Vertrag bis 2023 verlängern. Versauert Nübel also tatsächlich auf der Münchner Ersatzbank?
Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Neuer kam 2011 an die Säbener Straße, spielt seine neunte Saison für den Rekordmeister. Bislang zog der 33-Jährige nur sein erstes Jahr ohne Ausfall durch. In den folgenden sieben Spielzeiten fiel Neuer für 76 Partien aus – im Durchschnitt sind das fast elf verpasste Spiele pro Saison. In Zukunft wären das Bewährungsproben für Nübel.
Zugegeben: Vor allem die zwei Mittelfußbrüche zwangen Neuer zum Pausieren. Mit zunehmendem Alter sind kleinere muskuläre Verletzungen aber wahrscheinlich. Nübel muss fit sein und auf seine Chance lauern. Denn Verletzungen lassen sich nicht planen. Und auch nicht darauf hoffen. Nicht zuletzt Sven Ulreich kennt das Spiel allzu gut. jau, bok