La Manga – Irgendwann ist er verstummt. Wann genau und warum, weiß keiner mehr, aber auch in La Manga ist Sascha Mölders da – und doch nicht da. Zumindest nicht als öffentlicher Wortführer. Klar: Der mitgereiste Löwen-Anhang erlebt weiterhin einen Stürmer zum Anfassen – zum Beispiel beim Fanabend in der Royal Bar. Auch die Mitspieler suchen die Nähe des Alphalöwen. Aber das, worauf alle warten: ein öffentliches Statement, eine Andeutung, wie er sich die Zukunft vorstellt? Darauf warten alle vergeblich.
Rückblende. Schon länger hatte sich Mölders darauf beschränkt, Pflichtstatements nach Spielen abzugeben – als zweiter Kapitän und Torjäger vom Dienst hat er keine andere Wahl. Dann, in einem Interview der Augsburger Allgemeinen, kündigte er ohne Vorwarnung seinen Abschied an. „Ich könnte zwar noch einige Jahre spielen“, sagte er Mitte Oktober, „aber das Drumherum geht mir, entschuldigen Sie die Ausdrucksweise, auf den Sack.“ Ein Statement, das vielfach missverstanden wurde, weil es Raum für Spekulationen ließ. Mölders sah sich gezwungen, via Facebook klarzustellen: „Mit drum herum meine ich übrigens schlafen in Hotels etc. … was die Zeitungen da wieder reininterpretieren.“ Gefolgt von zwei Hand-vors-Gesicht-Emojis.
Sie legen den Schluss nahe, dass der Ruhrpott-Kicker allgemein ein bisschen genervt ist von allem, was nicht „aufm Platz“ stattfindet. Tore schießen, sich in Zweikämpfe reinhauen und hinterher mit den Fans feiern – das ist sein Ding. Andere Dinge, zu denen auch ein Trainingslager in Spanien gehört, hat er schon oft erlebt in seiner Karriere. Zu oft vielleicht. Sie rauben ihm die Zeit, die er lieber mit seiner Frau und den vier Kindern verbringen würde. Oder ein Bier trinken. Oder sein Knie entlasten, dass ihn immer mal wieder an sein fortgeschrittenes Fußballeralter erinnert.
Auch deshalb hat Mölders zuletzt eine Art Exit-Strategie forciert. Er traf sich mit Vertretern des FC Pipinsried, die den Vollblutstürmer gerne als Spielertrainer beschäftigen würden. „Drei, vier Jahre in der vierten Liga hab ich noch in mir drin“, sagte er nach einem seiner zuletzt vielen Tore. Jedoch: Vorher stehen noch 18 Drittligaspiele an. Naheliegend wäre, sie unter dem Titel „Abschiedstournee“ laufen zu lassen, doch erstaunlicherweise gibt es keinen im Verein und seinem Umfeld, der Mölders’ Entschluss akzeptiert.
„Wir müssen mal mit ihm reden, ob er nicht noch einen Sommer dranhängt“, sagte Marius Willsch nach der Mölders-Gala beim 3:2 in Haching. Kurz vor Weihnachten ein weiterer Vorstoß. „Mit 34 noch so zu marschieren, da kann ich nur meinen Hut ziehen“, schmeichelte Willsch dem beliebten Kollegen: „Er ist auch in der Kabine der wichtigste Spieler.“ Und nicht nur dort. Quirin Moll, der mit Mölders in Spanien eine Wohngemeinschaft der Familienväter bildet, sagte der AZ: „Sascha weiß, dass ich mir ungern einen neuen Zimmerpartner suchen würde.“ Ein netter Versuch, denn auch Moll weiß: „Sascha kriegst du nicht überredet. Wenn er weitermacht, dann nur, weil er es sich selbst in den Kopf setzt.“
Und genau darauf hoffen jetzt alle Löwen. Dass sich Mölders noch mal an sich und seiner sagenhaften Form berauscht. Um vielleicht doch noch ein Jährchen . . .
Zu den Menschen, die den Torjäger auch für die Zukunft nicht abgeschrieben haben, zählt Günther Gorenzel. Nicht nur einmal schilderte der Sportchef eine Beobachtung am Rande des Auswärtsspiels in Münster. Mölders sei in den Speiseraum gekommen und habe gesehen: Hier am Tisch sitzen seine Homies, dort am Tisch die Junglöwen um Noel Niemann. „Sascha hat sich dann bewusst an den Tisch der jungen Spieler gesetzt, und ob Zufall oder nicht: Flanke Niemann, Kopfball Mölders.“ Fertig war der 1:0-Sieg, der 1860 entspannte Feiertage bescherte. Gorenzels Interpretation: Mölders gefällt sich in der Rolle des Seniorchefs. Er fördert die Jungen, weil er am Ende auch von ihrer Schnelligkeit profitiert. Über allem steht aber die folgende Überlegung: Setzt sich einer so für die Mannschaft ein, wenn er vorhat, sie im Mai zu verlassen?
Wie gesagt: Es sind noch 18 Spiele. 18 mal 90 Minuten, in denen Mölders zeigen will, was ein bald 35-Jähriger zu leisten vermag. Ein weiterer Aufstieg mit 1860 würde den Fanliebling endgültig in den Stand einer Vereinslegende hieven. Es wäre für Mölders der perfekte Moment, um abzutreten. Oder auch nicht.