Nur kurz himmelhochjauchzend

von Redaktion

RUHPOLDINGER WELTCUP Platz 4 für Frauen-Staffel: Hinz verliert in Führung liegend die Nerven

VON ARMIN GIBIS

Ruhpolding – Es gab einige Momente, da sah estatsächlich nach einem großen Tag der deutschen Staffelfrauen aus. Franziska Preuß war im Zielraum mit einem Lächeln zu sehen, und Teamgeist beweisend klopfte sie der ebenfalls sichtlich hochgestimmten Schlussläuferin Denise Herrmann aufmunternd auf die Schulter. Die als Dritte des Quartetts gestartete Vanessa Hinz war eben vor 16 500 Zuschauern als Führende in die tobende Chiemgau Arena gelaufen. Deutschland auf Platz 1 – damit war nicht zu rechnen gewesen. Doch die Vorfreude auf ein glorreiches Finale währte nur kurz. Die Schlierseerin leistete sich fünf Fehlschüsse und folglich zwei Strafrunden. Damit war so ziemlich alles verloren. „So ist Biathlon“, sagte Preuß schicksalsergeben. Herrmann rannte noch vom 8. auf den 4. Rang vor, mehr war nicht drin. Letztlich jubelten die Norwegerinnen, zum vierten Mal in diesem Winter übrigens. Dahinter folgten Frankreich (10,7 Sekunden zurück) und die Schweiz (20,7). „Das war erst himmelhochjauchzend“, meinte Herrmann, „und dann …“ Mehr wollte sie über den unglücklichen Ausgang des Rennens nicht sagen.

Bundestrainer Kristian Mehringer hatte vor dem Rennen eine ziemlich mutige Devise ausgegeben: „Wir wollen natürlich das Podium angreifen.“ Und dieser Vorsatz wurde – zumindest von drei Skijägerinnen – erstaunlich konsequent umgesetzt. Carolin Horchler, die Startläuferin, verfehlte nur eine Scheibe – und korrigierte dies mit dem ersten Nachlader. Preuß („Das war für mich heute wieder ein Schritt nach vorn“) und Herrmann setzten alle ihre Kugeln auf Anhieb ins Ziel. „Wenn alle ihre Leistung bringen, ist das Podium eigentlich kein Problem“, meinte Horchler.

Und selbst bei Hinz, die als Viertplatzierte ins Rennen ging, lief es anfangs prächtig. Per fehlerfreiem Liegendschießen brachte sie ihre Staffel in Front. „Es sah richtig gut aus“, sagte Herrmann, „aber im Biathlon muss man mit allem rechnen.“ Hinz hatte als Startläuferin schon in Oberhof gepatzt, sich dort eine Strafrunde geleistet. „Das darf nicht passieren“, sagte Coach Mehringer, der die 27-Jährige auf Position 3 versetzte. Doch auch dort überfiel sie das große Zittern. Zum Missgeschick der Teamgefährtin sagte Herrmann: „Ich weiß selber, wie es einem da gehen kann. Stand eins, da schlottern die Beine. Wenn man dann nicht trifft, kommt die Nähmaschine.“

Über eine Minute verlor die untröstliche Hinz. Für Herrmann blieb da nur noch Schadensbegrenzung: „Ich habe versucht, voll auf Zug loszulaufen. Ich wollte mir aber nicht gleich das Hirn rauspusten.“ Die Dosierung ihres Laufrhythmus ist ihr bestens gelungen, zu Rang 3 fehlten nur elf Sekunden. „Wir waren nicht weit weg“, sagte sie.

Die deutsche Frauen-Staffel, einst sichere Medaillenbank, wartet in diesem Winter somit weiter auf einen Podestplatz. Die Bilanz: 3 x Vierter, 1 x Zwölfter. Das nächste Staffelrennen ist bei der WM in Antholz. Herrmann meinte: „Wir heben uns das Podest für die WM auf.“

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