WM 1990, das waren noch klimabewusste Zeiten: Die deutsche Mannschaft bestritt komplette Vorrunde, Achtel- und Viertelfinale in Mailand. Zum Halbfinale ging’s nach Turin – eine Busfahrt. Geflogen wurde nur nach Rom. Auch die sie begleitenden Fans hatten kurze Wege. Hingegen Brasilien 2014: Das Team wohnte 700 km vom nächstgelegenen Spielort entfernt und musste für die insgesamt sieben Partien in sechs Städte. Auch die Europameisterschaft 2020 wird reiseintensiv, sie wird – Schnapsidee aus Zeiten geringerer Klimasensibilität – über den gesamten Kontinent verteilt ausgetragen.
Früher wurden Kunsteisflächen abgetaut, sobald die Saison im Eishockey, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Curling zu Ende war. Heute haben einige Standorte keinen Sommer mehr, mit hohem energetischen Aufwand wird das Eis auch gehalten, wenn es draußen dreißig Grad hat: in Deutschland in Oberstdorf, Füssen und Köln sowie in Österreich in der Red-Bull-Akademie. Eissport ist zum Ganzjahressport geworden. Eine mögliche Lösung, um Energie zu sparen: Verkleinerung des Felds auf NHL-Maße (drei bis vier Meter weniger in der Breite), um weniger Fläche kühlen zu müssen.
Ski-Weltcup schon Ende Oktober – die PR-Veranstaltung der Ski-Industrie wäre selbst auf dem Gletscher im Tiroler Sölden nicht ohne Beschneiung aus Kanonen möglich. Wenn es schon oben an Schnee mangelt, wie kann man dann in tief gelegenen Regionen mit ihm planen? Zuletzt war es der Biathlon-Weltcup in Oberhof, für den die naturgegebene Unterlage nicht ausgereicht hätte. Es wurde dann für das Showevent in der Gelsenkirchener Fußballarena produzierter Kunstschnee mit Lastern über 370 Kilometer von Nordrhein-Westfalen nach Thüringen geschafft. Auch Skispringen findet überwiegend auf Kunstschnee statt – wobei die Szene am ehesten gewappnet scheint für eine grundlegende Umgestaltung. Der scheidende FIS-Direktor Walter Hofer sagt: „Wir können wie im Sommer auch auf Matten springen.“
Im Schnitt über 40 Liter Sprit auf 100 Kilometer verbraucht ein Formel-1-Renner. Die Bestrebungen, die Königsklasse des Motorsports „grüner“ zu gestalten, verpuffen. Als zeitgemäß gilt die Branche daher nicht. Konkurrenz macht ihr die Formel E – was allerdings auch damit zu tun hat, dass sie aufgrund der viel geringeren Lärmbelästigung auf attraktiven Stadtkursen fahren kann.