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von Redaktion

Es läuft bei 1860: Köllner hat die Qual der Wahl, Gorenzel ausnahmsweise keine Geldsorgen

VON ULI KELLNER

La Manga – Seit dem 1:0-Sieg in Münster am 21. Dezember treiben die Löwen-Fans viele Fragen um: Ist das Team von Michael Köllner schon jetzt reif für den Aufstieg? Gibt es eine Chance, Sascha Mölders 34, zu halten? Und überhaupt: Ist der Schlüssel zum Erfolg ein gnadenlos offensives 4-3-1-2-System?

Ins Wanken geriet kurzzeitig der 7-2-4-Plan. Nach sieben Tagen in La Manga sollen die Spieler in den Genuss von zwei freien Tagen kommen, ehe vier weitere Tage für den Feinschliff anstehen. Dann jedoch: Ein Sturm zog auf, der gebuchte Rückflug ab Alicante wurde annulliert. Erst sah es nach einem verlängerten Spanien-Aufenthalt aus, dann jedoch die Nachricht: Rückflug ab Murcia möglich. Mit einer Palette Dosenbier für die Fans sorgte Köllner dafür, dass die Stimmung zum Abschluss nicht kippte.

Schließlich haben alle ein gemeinsames Ziel: Am Sonntag, 13 Uhr, beim Auftakt der Restrückrunde gegen Braunschweig, wollen die Löwen die angefangene Erfolgsserie (vier Siege, drei Remis) fortzusetzen. Der jüngste Eindruck macht durchaus Mut. Mit 5:1 fegten Mölders und Co. eine spanische Gewerkschaftsauswahl vom Platz. Neben dem unverwüstlichen Sturmoldie und Doppeltorschützen war Noel Niemann der auffälligste Akteur (drei Treffer). Erfreulich zudem: Quirin Moll, Nico Karger und Stefan Lex wirkten schon recht weit nach größeren und kleineren Verletzungen. Köllners Fazit des Spanien-Camps fiel kurz und knackig aus. „Bin zufrieden, vielen Dank“, sagte er.

Auf Nachfrage wurde er etwas ausführlicher. „Ich bin allen sehr dankbar, die dieses Trainingslager ermöglicht haben“, sagte der Coach: „Es war ein wichtiger Baustein, dass wir uns noch mal gezielt vorbereiten konnten.“ Der finale Test gegen den spanischen FC Arbeitslos hat Köllner in seiner positiven Einschätzung der Mannschaft bestätigt. „Unser Spiel ist griffiger geworden, wir haben mehr Varianten drin“, sagte er. Zufrieden ist er auch mit der Entwicklung neben dem Platz: „Wir haben ganz, ganz viel am Teamgeist gearbeitet – auch was Werte betrifft und den Umgang miteinander. Deswegen war diese Woche ganz, ganz wertvoll.“

Nicht festlegen wollte sich Köllner, ob die Startelf vom Samstag schon jenem Team entspricht, mit dem er auch für Braunschweig plant. „Das kann die Startelf gewesen sein“, orakelte er: „Sie kann sich aber auch noch auf vier Positionen verändern.“ Als gesichert gilt, dass Marco Hiller seinen Platz zwischen den Pfosten behält. Im Abwehrzentrum muss sich Kapitän Felix Weber der Konkurrenz von Aaron Berzel erwehren – dessen Kampfschwein-Mentalität trug ihm am Samstag die Planstelle neben Dennis Erdmann ein. Jeweils zwei Spieler scheinen im Mittelfeld (Dressel, Bekiroglu) und im Angriff (Mölders, Lex) gesetzt zu sein. Daniel Wein gilt auf der Sechs als Bank – zumindest bis Quirin Moll oder Tim Rieder ganz fit sind. Niemann schließlich darf nach seinem Dreierpack sogar mit dem Part hinter den Spitzen liebäugeln, wobei Köllner sagt: „Wir haben auf vielen Positionen die Qual der Wahl – das hat man heute ganz gut gesehen. Am Ende können wir uns den Luxus erlauben, dass wir uns auf jeden Gegner personell einstellen.“

Ähnlich zufrieden wie Köllner wirkte auch Günther Gorenzel, dem neben der sportlichen Entwicklung zwei wirtschaftliche Glücksfälle in die Karten spielen (Transferbeteiligungen Weigl/Pongracic) – und die zarte Annäherung auf Gesellschafter-Ebene. „Ich nehme viele positive Dinge wahr: viel Miteinander und auch, wie kommuniziert wird“, sagte der Sportchef. Sein Dank galt Hans Sitzberger und Anthony Power, den mitgereisten Vertretern der Vereins- bzw. Investorenseite: „Jetzt gilt es, diesen Schwung mitzunehmen.“

Gorenzel spricht offen davon, sich ab sofort „nach oben“ zu orientieren. Sein vorrangiges Ziel ist, das Team im Kern zusammenzuhalten und speziell „die Leistungsträger Tim Rieder und Sascha Mölders an den Verein zu binden“. Bei beiden stehen die Chancen besser als gedacht. Rieder, ausgeliehen vom FC Augsburg, würde gerne in München bleiben. Und Mölders? „Wir sind in einem sehr guten Austausch“, sagte Gorenzel. „Wenn ich sehe, wie er sich mit fast 35 reinhaut, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass er mit Profifußball abgeschlossen hat.“

Mit Blick auf die Sitzung des Aufsichtsrats am 12. Februar kündigte Gorenzel an, sich für eine sportliche „All-in“-Lösung einzusetzen: „Es wird sicherlich jeder verstehen, dass ich mich bei den Budgetverhandlungen für jeden Euro stark mache.“ 100 Fans waren in La Manga dabei – sie und alle anderen sollen endlich auch mal über einen längeren Zeitraum Freude an ihren Löwen haben.

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