Regelwerk
Eine Mannschaft profitiert vom Videobeweis und bekommt ein Tor zugesprochen – trotzdem ist ihr Anhang unzufrieden und singt „Ihr macht unseren Sport kaputt.“ Diese grundlegende Ablehnung des VAR erlebt man an jedem Wochenende in irgendeinem Bundesligastadion – an diesem war es in Augsburg der Fall. Da wusste Borussia Dortmund nicht, ob das vierte Tor eines war. Schiedsrichter Manuel Gräfe zog sich zur Sichtung der Szene zurück. Irgendjemand im Abseits gestanden? Nein, doch nicht, Treffer zum 4:3 für den BVB. Dem FC Augsburg war in der ersten Halbzeit ein Tor aberkannt worden, man merkte dem Vorbereiter Florian Niederlechner den Zweifel bei seinem Sprint schon an: Er spürte, dass er im Abseits gewesen war bei der Ballannahme. Doch wenn der Linienrichter die Fahne nicht hebt und der Schiedsrichter nicht pfeift, läuft man halt weiter. Augsburgs Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter mag diese Unentschlossenheit der Assistenten an der Linie nicht. Klar, Anweisung von oben, es soll dem VAR in Köln nicht zuvorgekommen werden. Reuter findet, es werde seitens der Referees freiwillig zu viel Verantwortung abgegeben: „Wenn sie sich sicher sind, sollten sie schnell ihre Fahne heben.“ Wie früher auch.
Ziemlich erregt war Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt, der seinen Abwehrspieler Niklas Moisander am Ende des Nachmittags in Düsseldorf (1:0-Sieg für Werder) durch die Gelb-Rote Karte verlor. Der Finne wurde Opfer der Neuregelung, dass der Schiedsrichter bei Undiszipliniertheiten mit einer Respekt einfordernden Gelben Karte reagieren solle. Als da wären: Ball wegschlagen, den Schiri verdrängen, sich an Rudelbildung beteiligen. Kohfeldt hätte sich in diesem Fall eine souveränere Betrachtung der Gesamtsituation gewünscht: Im Strafraum waren gerade ein paar Spieler zusammengecrasht, Bremens Neuer, Kevin Vogt, lag schwer benommen auf dem Rasen – müsse man da also kleinlich mit Gelben Karten kommen. „Warum machen die Regeln Leute, die das Spiel nicht verstehen?“, fragte Kohfeldt gereizt in jede TV-Kamera.
Schiedsrichter-Boss Lutz-Michael Fröhlich verteidigte die Regelverschärfung aber und erklärte, warum sie so getroffen worden sei: Sie soll Wirkung auf den Amateurbereich entfalten, wo es zuletzt immer wieder zu profi-artigen Übergriffen auf Schiedsrichter gekommen war.
Schalkes Neuer
Eine Vorlage, ein Tor plus ein Strahlen im Gesicht – Michael Gregoritsch hat auf Schalke eingeschlagen. In Augsburg hatte der Österreicher, der einst ein Wunderkind war, weil er sein erstes Tor als Profi kurz vor dem 16. Geburtstag schoss, es nicht mal mehr in den 20er-Kader geschafft; nun ist er bis 30. Juni verliehen. „Ich dachte an einen Witz, als mein Berater mich über das Interesse von Schalke informiert hat“, sagte Gregoritsch. Er kickte schon mal in der Gegend, in der 2. Liga beim VfL Bochun, und obwohl er ein gesundes Selbstbewusstsein hat („Ich hätte mich nicht verkauft“, sagte er 2017, als der Hamburger SV ihn nach Augsburg gehen ließ), hielt er Schalke wohl zu groß für sich. Nun kann er sich in Gelsenkirchen unentbehrlich machen. Trainer David Wagner lobte: „Gregerl hat sich sofort eingefügt.“ Darüber freute sich auch FCA-Manager Stefan Reuter. Weil der Österreicher in seinem Club nicht mehr so ins System passt, will er ihn verkaufen. Ist Gregerl schon teurer geworden? „Das ist jetzt nicht mein Thema“, sagte Reuter und lächelte listig. „Er ist ein sehr guter Spieler, das wissen wir.“
Eintracht Frankfurt
Gegen Ende der Hinrunde war Eintracht Frankfurt, Deutschlands glänzender Repräsentant in der Europa League, der zuletzt sogar den amerikanischen Markt ins Visier nahm, in der Tabelle Stück für Stück nach unten gereicht worden – Krise. Mit dem 2:1-Sieg bei der TSG Hoffenheim haben sich die Hessen nun wieder gefangen. Adi Hütter, der Trainer, zeigte, dass er reagieren kann. Neuerung: Dreier- statt Viererkette, vorne alles abgestimmt aus Bas Dost – dafür musste Gonzalo Paciencia auf die Bank. Hütter: „Ein Befreiungsschlag, wir haben unsere DNA gezeigt.“ Und weil auch Torhüter Kevin Trapp nach monatelanger Verletzungspause zurück ist, fühlt sich Frankfurt stark wie einst. Leipzig soll es nächsten Samstag spüren. GÜNTE KLEIN