Ruhpolding – Der Winter war am Wochenende doch noch nach Ruhpolding gekommen. Dicke Flocken gingen auf das an beiden Tagen mit 22 000 Zuschauern gefüllte Chiemgau hernieder. Richtig idyllisch ging es zu, und auch die Stimmung war bestens. Ganz besonders unter den Fans aus Frankreich und Norwegen. Denn die feierten jeweils ihre Dreifach-Sieger Martin Fourcade und Tiril Eckhoff, die in Sprint, Staffel und Verfolgung ganz oben Standen auf dem Treppchen. Dorthin schaffte es im Laufe der Ruhpoldinger Weltcup-Woche nur ein einziger Lokalmatador. Benedikt Doll wurde am Donnerstag im Sprint Dritter. Auch im Hinblick auf die WM in Antholz (13. bis 23. Februar) war das eine für Ruhpoldinger Verhältnisse ungewohnt magere Ausbeute.
Cheftrainer Mark Kirchner wollte die Leistung seiner Männer-Riege jedoch nicht an der Zahl der Podestplätze messen. „Wir haben gezeigt, dass wir zu den Besten gehören. Wir sind auf Schlagdistanz“, sagte er. Doll war gestern auch beim abschließenden Verfolgungsrennen als Fünfter bester Deutscher. Hinter ihm folgten Philipp Nawrath (12.), Arnd Peiffer (14.) und Roman Rees (19.). „Das sind alles ordentliche und akzeptable Ergebnisse“, befand Kirchner. Nawrath, so ließ der Chefcoach anklingen, dürfte den Sprung ins WM-Aufgebot geschafft haben. Dagegen steht seit gestern fest, dass der pausierende Simon Schempp nicht nach Antholz fahren wird. „Schweren Herzens ist die Entscheidung gefällt worden“, sagte Kirchner, „dass Simon nicht an der Weltmeisterschaft teilnehmen wird.“
Bei den Frauen legte Denise Herrmann zum Abschluss noch ein schneidiges Rennen hin. In der Verfolgung rannte sie vom 19. auf den 6. Rang vor – und erzielte damit das beste Ruhpoldinger Einzelergebnis. Auch Franziska Preuß, nach Krankheitspause noch nicht ganz bei Kräften, lieferte mit den Plätzen 12 (Verfolgung) und 14 (Sprint) sehr passable Rennen.
Vanessa Hinz dagegen hatte nach vielversprechendem Auftakt am Mittwoch (8. Platz im Sprint) zwei Albträume zu verkraften: Erst patzte sie als in Führung liegende Staffelläuferin folgenschwer, leistete sich stehend zwei Strafrunden und brachte das deutsche Team um seine Podestchancen. Gestern widerfuhr ihr ein ähnliches Malheur. Auch in der Verfolgung lag sie gut im Rennen. Doch beim zweiten Stehendanschlag zielte Hinz dreimal daneben und fiel von Rang 5 auf 21 zurück. Die 27-Jährige meinte: „Ich weiß, was mein Problem in der Staffel war: Dass ich einfach falsch gestanden bin. Wenn eine deutsche Eiche falsch steht, dann funktioniert es einfach nicht.“ Und fast schon trotzig fügte sie hinzu: „Ich kann absolute Weltspitze sein. Ich kann auch Stehendschießen. Ich lass mir nicht einreden, dass ich es nicht kann.“
Tatsache ist, dass sich Hinz in Ruhpolding als Wackelkandidatin präsentierte. Was im Hinblick auf die WM doch etwas besorgniserregender ist. Schließlich zählt sie Biathlon-Chef Bernd Eisenbichler neben Herrmann und Preuß zu den drei festen Größen, die er für „konkurrenzfähig“ hält. Als potenzielle vierte im Bunde erwähnte er noch Janina Hettich. Doch im Verfolgungsrennen erlebte auch die 23-jährige Schwarzwälderin rabenschwarze Momente. Mit neun Strafrunden landete sie auf Rang 56.
Doch das Hauptproblem der deutschen Skijägerinnen ist weniger in der aktuellen Form einzelner Sportlerinnen zu suchen. Vielmehr offenbart sich immer mehr, dass im einst so glorreichen deutschen Frauenbiathlon kaum hoffnungsvoller Nachwuchs bereitsteht. „Das ist eine Systemfrage“, sagte Bundestrainer Kristian Mehringer. Wobei er anmerkte, es gebe „im Hintergrund“ diesbezüglich Gespräche, „wie wir das Ganze aufbauen könnten“. Mehringer meinte aber grundsätzlich: „Es ist ein harter Weg für uns.“
Im Hinblick auf die WM fällt das Fazit von Disziplin-Trainer Florian Steirer Ruhpoldinger Bilanz dennoch relativ positiv aus: „Speziell im konditionellen Bereich geht es in die richtige Richtung.“ Allerdings räumte er ein: „Am Schießstand haben wir das ein oder andere Problem, das sich aufgetan hat.“ Daran gelte bis zu den Titelkämpfen in Südtirol zu arbeiten. „Ich hoffe, dass wir das noch in den Griff bekommen.“