Vorne Schützenfest, hinten Schießbude

von Redaktion

Ein merkwürdiges Eishockeyspiel: EHC München besiegt Iserlohn mit 7:5 – Reichs Probleme

VON GÜNTER KLEIN

München – 13 Spieltage sind noch übrig im Hauptrundenprogramm der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), und an der Spitze verdichtet sich das Geschehen auf einen Zweikampf. Mannheim kommt heran, die Adler gewannen am Sonntag zum siebten Mal in Serie, 4:0 gegen Augsburg. Und München, das lange einen zweistelligen Punktevorsprung hatte: Müht sich, seit das neue Kalenderjahr begonnen hat. So war es auch am Sonntagabend: 7:5 (2:2, 2:2, 3:1) siegte der EHC zwar gegen Iserlohn, blickte dabei aber lange in den Abgrund einer Heimniederlage. München ist Mannheim nur noch sechs Zähler voraus.

Tabellenführer gegen Vorletzten, das sollte eine klare Sache sein. War es nicht, obwohl die Münchner sehr schöne Offensivaktionen fuhren. Vor allem der lauffreudige Yasin Ehliz und Trevor Parkes mit seiner durchsetzungsfähigen Masse an Körper strahlten Torgefahr aus – und erstmals traf auch Justin Shugg. Der Kanadier hatte vorige Saison für den EHC gespielt, aber war nicht weiterverpflichtet worden, zudem musste er sich an der Schulter operieren lassen. Doch als den Münchnern Mitte Dezember das Offensivpersonal ausging, nahmen sie Shugg mit einem Sechs-Wochen-Vertrag wieder auf; im elften Spiel sein erstes Tor. „Das nimmt eine große Last von meinen Schultern“, sagte er – passend zum Verletzungsbild.

Die Iserlohn Roosters legten ein Problem des EHC München offen: das auf der Torhüterposition. Danny Aus den Birken, die eigentliche Nummer eins, erlitt nach längerer Verletzungspause bei seinem (vielleicht verfrühten) Comeback einen Rückschlag, und Kevin Reich, fast parallel zu Aus den Birken ausgefallen, hat noch nicht die starke Form wie im Spätherbst, als er sogar erstmals in die Nationalmannschaft berufen wurde. Er kassierte am Sonntagabend fünf Treffer, er war nicht immer schuldlos, die Pucks flitzten über die Fanghand und ins kurze Eck. „Bei Schüssen unters Dach ist Reich sehr anfällig“, sagte MagentaSport-Experte Andy Renz. Die Iserlohner zogen einfach und beherzt ab, ihre Verteidiger waren gut im Geschäft, das 1:0 der Roosters durch Chris Rumble konnte man sogar hören, weil der Puck erst ans Metall schlug.

Hinten Schießbude, vorne Schützenfest – wenigstens fand der EHC immer eine offensive Antwort auf seine defensiven Missgeschicke. 0:1, 2:1, 2:4, 4:4, 4:5, 7:5 – die 4370 Zuschauer erlebten einen wilden Spielverlauf, für den EHC trafen nach Ehliz, Parkes und Shugg auch noch Voakes. Peterka, Bourque und nochmals Ehliz. In der Abwehr fehlte Keith Aulie, den die Liga nach einem Stockschlag am Donnerstag in Bremerhaven für ein Spiel gesperrt und zu einer Geldstrafe verurteilt hatte.

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