München – Der EHC München legt gerade wilde Ballerspiele aufs Eis, 6:4 in Bremerhaven, 7:5 gegen Iserlohn. Trainer neigen dazu, eher die defensiven Fahrlässigkeiten wahrzunehmen und sich über solche Ergebnisse zu ärgern, Stürmer dagegen sehen das nicht so kritisch. Für Yasin Ehliz war das Wochenende ertragreich: In beiden Spielen schoss er je zwei Tore, er steht jetzt bei 18 Einschüssen (nach 38 Spielen). Persönliche Bestmarke: Für Nürnberg hatte er maximal mal 17 Treffer erzielt (in 52 Partien).
Man wundert sich über seine Produktivität, weil es nicht der Markenkern von Ehliz war, Scorerpunkte zu sammeln. Tore und Pässe lieferte er in seinen prägenden Nürnberger Jahren (2011 bis 18) zwar auch immer, doch sie waren das Beiprodukt seiner Arbeit. Ehliz war der Quirl auf Kufen, der Hobel in den Ecken des Spielfelds, für die Gegner ein Quälgeist an der Bande. Er perfektionierte diese Rolle in einer Sturmreihe, die so gut passte, dass kein Trainer sie auseinanderriss: Steve Reinprecht, der kanadische Spielmacher; Patrick Reimer, der routinierte Vollstrecker; Yasin Ehliz, das Arbeitstier.
Nach München wechselte er im November 2018. Als Silbermedaillengewinner von Pyeongchang hatte er ein Nordamerika-Angebot erhalten, von den berühmten Calgary Flames, doch Ehliz befürchtete, in der Reserve zu versauern. Dass er, als er die Sache nach ein paar Wochen frustriert abbrach, nicht zurück nach Nürnberg ging, hat dort für böses Blut gesorgt. In München wurde er zunächst zwischen den Reihen hin- und hergeschoben. „Ich kam unter der Saison und musste erst das System kennenlernen“, sagt er im Rückblick.
Yasin Ehliz hat nun wieder eine Heimat gefunden. Er bildet eine Reihe mit Philip Gogulla und Patrick Hager (der, da bis einschließlich dem kommenden Wochenende verletzt, von Jason Jaffray vertreten wird) – aber Ehliz findet, dass in München alles so gut abgestimmt sei, dass man auch gut durchmischen könne – „denn jeder spielt das System“.
Ehliz hat sich trotzdem als eher nicht austauschbar erwiesen, Trainer Don Jackson gewährt dem 27-jährigen Bad Tölzer die zweitmeiste Eiszeit unter den Stürmern und preist seine Vorzüge: „Yasin ist wirklich schnell, er erkennt das Spiel, es passiert nie, dass er mit dem Rücken zum Puck steht und überrascht würde.“ Der Amerikaner Jackson nennt ihn „gritty“, wofür es viele Übersetzungsvorschläge gibt: mutig entschlossen, fest, knallhart, sandig, kiesig, grobkörnig, wie Schotter. Und irgendwie passt das alles. Yasin Ehliz soll unangenehm zu bespielen sein, wenn man sein Gegner ist. Die alte Nürnberger Rolle also – in München erfüllt er sie ebenfalls. Und jetzt scort er auch noch.