„Man hangelt sich so durch“

von Redaktion

„Hans im Glück“-Gründer Hirschberger kritisiert 1860 und träumt vom Präsidentenamt

München – Handelsblatt, Focus, Spiegel. Zuletzt war er verstärkt in den Wirtschaftsressorts der überregionalen Presse präsent. Jetzt, nach dem Verkauf seines Burger-Imperiums, sorgt Thomas Hirschberger („Hans im Glück“) für eine Rückkehr in die Sportteile – ausgelöst durch einen Halbsatz in der „Bild am Sonntag“. Dort wird der 57-jährige Unternehmer so zitiert: „Ich will Präsident von 1860 München werden, ich hab ja jetzt wieder Zeit.“ Eine Kampfansage in Richtung Robert Reisinger? Wir trafen den leidenschaftlichen Löwen-Fan zum Interview in seinem Innenstadt-Büro.

Herr Hirschberger, erst der Verkauf Ihrer Firma, dann die Bewerbung fürs höchste Amt bei 1860 – welche Nachricht hat Ihnen mehr Reaktionen beschert?

National sicher die „Hans im Glück“-Geschichte, lokal natürlich das Löwen-Thema. So ist das bei unserem Verein: Egal, wer sich äußert – es gibt immer reichlich Reaktionen.

Was hat Sie dazu bewogen, zweieinhalb Jahre vor der nächsten Präsidentschaftswahl Ihren Hut in den Ring zu werfen?

Es war der allerletzte Satz in einem Interview. Der Redakteur hatte mein Leben recherchiert, ist natürlich auch auf 1860 gekommen. Ich wusste, worauf er raus will und hab diesen Satz gesagt, aber die Frage stellt sich ja nicht: Robert Reisinger ist für drei Jahre gewählt. Passt, alles gut.

Reisinger kann also weiterhin ruhig schlafen?

Ganz ruhig. Also von mir hat er nichts zu befürchten.

Viel Wirbel um nichts?

Natürlich wäre es ein Traum von mir, 1860-Präsident zu werden. Das war so – und wird immer so sein. Aber: Wir haben nicht nur einen Präsidenten, sondern auch einen Verwaltungsrat, der mich nie nominieren wird.

Zu Pro1860-lastig?

Ein Präsident, der für eine andere Richtung steht, ist mit Sicherheit nicht kompatibel.

Sie lassen aber nicht locker: 2005 blitzten Sie als Gegenkandidat von Karl Auer ab, 2018 mit dem sog. Team Profifußball.

Mir geht es ja nicht um eine verantwortliche Position, mir geht es um die politische Richtung.

Wie sehen Sie denn die eingeschlagene Richtung?

Mit Skepsis. Es ist schwierig, wenn sich die beiden Gesellschafter nicht verstehen. Für mich ist 3. Liga auch kein richtiger Profifußball, aber ich sehe leider keinen strategischen Ansatz, die Weichen in Richtung Erfolg zu stellen. Man hangelt sich so durch – von Saison zu Saison.

In Ihr Wahlprofil hatten Sie 2018 als Ziel reingeschrieben: „Normalisierung des Verhältnisses zu Hasan Ismaik.“ Ist der Investor für Sie der Schlüssel?

Aus meiner Warte ist es einfach nicht fair und korrekt, wie man jemanden behandelt, der für 1860 viel Geld hingelegt hat. Zu sagen, jetzt schleich dich wieder, das gehört sich einfach nicht.

Was wäre Ihr Vorschlag?

Ich sag mal so: Wenn ich mich mit meiner Frau über sechs, acht Jahre nicht verstehe, dann muss ich mich entweder scheiden lassen – oder einen Mediator aufsuchen. Mein dringlichster Wunsch wäre: Wenn die handelnden Personen nicht miteinander können, dass man dann einfach mal die handelnden Personen austauscht. Man muss ja mit Ismaik auskommen, nachdem er seine Anteile nicht verkaufen will.

Reisinger ist ja nicht der erste Präsident, der sich schwertut mit Ismaik. Warum würde es mit Ihnen besser laufen?

Ich würde es mir zutrauen, weil ich einfach einen viel pragmatischeren Ansatz habe: Die Situation ist, wie sie ist. Man muss den Tatsachen ins Auge sehen und alle Kräfte bündeln, um zumindest wieder in die 2. Liga zu kommen. Ich will halt nicht über die Dörfer tingeln, sondern auch mal wieder gegen Stuttgart oder den HSV spielen.

Sportchef Gorenzel sagte jüngst: „Wir wollen uns nach oben orientieren!“

Absolut richtig, ich glaube aber nicht, dass es reicht, auch nächstes Jahr nicht. Ich kenne nicht genau die Pläne vom Günther, aber es wollen jedes Jahr zehn Vereine hoch – und da ist 1860 nicht dabei.

Mit einem Fünf-Millionen-Etat würde Gorenzel den Aufstieg garantieren.

Das sehe ich auch so. Und vielleicht noch ein paar Euro oben drauf. Falls es im ersten Anlauf nicht klappt.

Gehen Sie trotzdem weiter zu 1860?

Selbstverständlich. Von den Heimspielen hab ich eins verpasst, und auch auswärts bin ich dabei, wenn’s irgendwie möglich ist. Bier trinken und Kochsalami essen, beim Bus unten, bei den Holledauer Löwen – das ist für mich 1860.

Interview: Uli Kellner

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