Ein Baske für die Bayern

von Redaktion

Leihgeschäft mit Real: Flick bekommt Álvaro Odriozola – heute wird es offiziell

VON HANNA RAIF

München – Am kommenden Samstag, wenn das Topspiel gegen Schalke 04 rum ist, könnte Hansi Flick sich nicht mehr so vage äußern wie am Wochenende in Berlin. Nach dem 4:0 in der Hauptstadt hatte der Coach des FC Bayern ja noch recht, als er – angesprochen auf mögliche Verstärkungen – sagte: „Jetzt haben wir wieder eine Woche Zeit. Schauen wir, was dabei herumkommt.“ Neun Tage ist das Transferfenster noch offen, also diese Woche und einen Teil der kommenden. So lange allerdings werden die Bayern nicht mehr warten, denn der Transfer von Álvaro Odriozola wurde gestern fixiert. Am späten Nachmittag landete der Abwehrspieler von Real Madrid in Oberpfaffenhofen, wohl schon heute soll er offiziell vorgestellt werden.

Die Personalie war gestern im Laufe des Tages immer heißer geworden. Vormittags wurden Gerüchte gestreut, als dann in Madrid Zinedine Zidane vor die Presse trat, war Odriozola bereits auf dem Weg nach München. Der Real-Trainer hatte bestätigt, dass der 24-Jährige „die Möglichkeit“ habe, „zu gehen und bei einem anderen Club zu spielen“, fügte aber noch hinzu: „Es ist noch nichts offiziell. Wir werden abwarten und schauen.“ Es ging dann schnell. Der Medizincheck wurde nach der Landung absolviert.

Flick wird sich nach dem ersten Heimspiel der Rückrunde am Samstagabend also nicht mehr zu möglichen Neuzugängen äußern, sondern womöglich über die Leistung des neuen Rechtsverteidigers referieren. Odriozola ist womöglich nicht die perfekte, aber eine gute Lösung, denn die Bayern pochten auf ein Leihgeschäft. Unter anderem am Ausschluss dieser (unverbindlichen) Option war ein Transfer des einstigen Wunschkandidaten Joao Cancelo seitens Manchester City ja gescheitert. Odriozolas Marktwert wird auf rund 20 Millionen Euro geschätzt. 2018 war der Baske für rund 30 Millionen Euro von Real Sociedad nach Madrid gewechselt und ist dort bis 2024 gebunden. Summen und Zahlen jedoch, die die Bayern zunächst mal nicht interessieren müssen. Der Neue soll in der aktuellen Halbserie helfen.

Der Winter-Transfermarkt ist verzwickt, das ist nichts Neues, und trotzdem haben die Verantwortlichen beim FC Bayern in den vergangenen Wochen umgedacht. Flick beharrte auch bei den Anfang der Woche stattgefundenen Gesprächen mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic darauf, dass Verstärkungen in seinem Rumpf-Kader vonnöten sind. Obwohl Lucas Hernandez seit Montag nach knapp dreimonatiger Verletzungspause zurück im Teamtraining ist, ist die Lage in der Abwehr angespannt. Rückschläge bei den Langzeitverletzten sind ebenso nicht ausgeschlossen wie Formdellen bei Kandidaten wie Jerome Boateng. Mehr Breite ermöglicht zudem Flexibilität, die Flick in allen drei Wettbewerben als Schlüssel zum Erfolg sieht.

Der spanische Markt wird schon lange beobachtet, von den Bayern-Scouts zuletzt aber besonders in den Fokus genommen. Den Stein ins Rollen gebracht hat im Fall von Nationalspieler Odriozola die Nachricht, dass Leihgabe Achraf Hakimi im Sommer vom BVB zu den Königlichen zurückkehren wird. Zidane setzt im Moment auf Rechtsverteidiger Dani Carvajal und hätte dann die Qual der Wahl. Schon ohne Hakimi als Konkurrenten kam Odriozola lediglich in vier Liga-Spielen zum Einsatz.

Auch in München hat er als Neuzugang keine Einsatzgarantie, gilt aber als gute Option. Benjamin Pavard ist nicht mehr an die rechte Seite gebunden, Joshua Kimmich muss im Fall der Fälle nicht aushelfen, sondern kann dauerhaft im Mittelfeld die Strippen ziehen. So stellt Flick sich das vor.

Odriozola ist nun der erste Flick-Transfer – und hat somit Nelson Semedo ausgestochen, der ebenso als Kandidat gehandelt wurde. Dem 26-Jährigen geht es beim FC Barcelona ähnlich wie dem neuen Bayern bei Real: ein Stammplatz ist nicht in Sicht. Nach München kommt er nun nicht, aber ein weiterer Spieler? Flicks Forderungen stehen – und noch sind neun Tage Zeit.

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