Wirbelwind im Hintergrund

von Redaktion

Perisic spuckt selten große Töne, dabei ist der Kroate bei Bayern alles andere als eine B-Lösung

VON JONAS AUSTERMANN

München – Ivan Perisic und Leroy Sané könnten unterschiedlicher kaum sein: Der Kroate ist mittlerweile 30 Jahre alt, biegt somit auf die Zielgerade seiner Karriere ein. Der deutsche Nationalspieler, unlängst 24 geworden, steht noch am Beginn seiner Schaffenszeit. Perisic scheut die Öffentlichkeit, zeigt sich bei Instagram fast ausschließlich im Fußballtrikot oder anderer sportlicher Kleidung. Sané hingegen ist ein bunter Vogel, der sein Faible für ausgefallene Mode gerne zur Schau stellt.

Und doch verbindet die beiden etwas: Der Flügelflitzer von Manchester City war im Sommer der Wunschtransfer des FC Bayern – bis er sich Anfang August das Kreuzband im rechten Knie anriss. Wegen dieser Verletzung schlugen die Münchner in Mailand zu, holten Perisic von Inter. Die Leihgebühr (4,5 Millionen Euro) hat sich längst rentiert, der Kroate liefert regelmäßig ab. In Bundesliga und Champions League kommt er auf fünf Tore und sieben Vorlagen – im Schnitt ist Perisic alle 83 Minuten an einem Treffer beteiligt. In dieser Hinsicht sind beim FC Bayern nur Knipser Robert Lewandowski (63 Minuten) und Vorlagenkönig Thomas Müller (68) besser. Erst hinter Perisic reihen sich Serge Gnabry (90) und Philippe Coutinho ein (106). Das ist die Art, wie Perisic auf den vermeintlichen Makel reagiert, er sei nur die B-Lösung gewesen.

„Als ich zu Bayern gekommen bin, hieß es: Er ist schon 30 und bestimmt nicht mehr der Frischeste. Aber das ist mir egal“, sagte der Offensivmann im Vereinsmagazin 51. „Der Fußballplatz ist der einzige Ort, an dem ich meine Antworten gebe. Nur da zählt es.“ Perisic bringt vor allem eine Eigenschaft mit, die vielen Münchner Flügelspielern abgeht: Er fällt so gut wie nie aus, ist stets topfit. Zur Vorbereitung auf die Rückrunde erklomm er mit Berater, bestem Kumpel und Trauzeuge Frane Jurcevic die Spitze des Dinara, des höchsten kroatischen Bergs unweit seiner Heimatstadt Omis an der Adria-Küste. Womöglich haben Perisic und sein Begleiter sich auf dieser Tour auch darüber unterhalten, wie die Reise des 30-Jährigen im kommenden Sommer weitergeht.

Die Leihe zum deutschen Rekordmeister endet – und aktuell ist es unwahrscheinlich, dass der Klub die Kaufoption in Höhe von 20 Millionen zieht. Denn ein gewisser Leroy Sané soll im zweiten Anlauf endlich an der Säbener Straße landen. Und auch in Mailand werden die Dienste von Perisic kaum gefragt sein. Nachdem Antonio Conte im Sommer 2019 den Trainerposten übernommen hatte, stellte Inter auf ein 3-5-2-System um, in dem schlicht kein Platz mehr für den Kroaten war. Conte baut auf dem linken Flügel auf einen defensivstarken Akteur, schimpfte nach einem Test gegen Manchester United sogar öffentlich: „Perisic kann nicht in der Rolle spielen, die ich möchte.“

Die kommenden gut vier Monate muss der 30-Jährige nutzen, um sich für andere Clubs interessant zu machen. Die gute Nachricht: Vier Monate sind viel Zeit für jemanden, der es in der Regel alle 83 Minuten krachen lässt. Sehr viel Zeit.

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