Der Hoffnungsträger aus Wisconsin

von Redaktion

Drei Monate lang musste T.J. Bray verletzungsbedingt passen – nun soll er Bayerns Basketballern aus der Krise helfen

VON PATRICK REICHELT

München – Es ist nicht die Zeit, sich unnütze Fragen zu stellen. Aber für ein paar kurze Momente dürften TJ Bray diese Gedanken wohl schon gekommen sein. Was wäre wohl gewesen, wenn er sich im Sommer anders entschieden hätte? Nun, der US-Basketballer würde heute (20.30 Uhr) wohl mit Maccabi Tel Aviv zum Euroleague-Duell beim FC Bayern auflaufen. Als Teil eines Teams, das heiß gehandelt wird, wenn es darum geht, wer im Mai in Köln die Nachfolge von Champion ZSKA Moskau antritt.

Einen unterschriftsreifen Vertrag soll der israelische Topclub, der dieser Tage mal so eben den Ex-NBA-Star Amar’e Stoudemire nachverpflichtete, ihm vorgelegt haben. Bray diskutierte die Sache mit seinem Agenten und winkte doch ab. „Weil das gesamte Paket bei Bayern besser zu mir gepasst hat“, verriet er in einem Interview mit dem israelischen Internet-Magazin „Sports-Rabbi“. Dazu gehörte auch der Umstand, dass ihm die Münchner antrugen, ihr spielerisches Herzstück zu werden.

Was herauskam, klingt bislang. nun ja, nicht nach der glücklichsten Fügung. Bray verletzte sich am Fuß – erst vergangene Woche in Athen griff er erstmals ins Geschehen ein. In einem Bayern-Team, das bislang gerade international einen Horror-Winter erlebt. Die entsprechende Unruhe inklusive – aktuell fordert der glücklose Franzose Mathias Lessort einen Abschied ein – den bulligen Center soll es zurück zu seinem Ex-Verein Unicaja Malaga in Spaniens Eliteklasse ziehen.

Die größten Hoffnungen, die Dinge wenn schon nicht zum Guten, dann wenigstens zum Versöhnlichen zu wenden, ruhen damit vor allem auf Bray. Wobei der 27-Jährige die Krise seines Arbeitgebers vergleichsweise entspannt beschreibt. „Es sind kleine Dinge, die immer wieder zu unseren Einbrüchen führen“, sagte Bray, „wir arbeiten intensiv daran, das abzustellen.“ Dass er selbst daran bald einen großen Anteil haben wird, dessen ist zumindest Trainer Oliver Kostic überzeugt: „Er wird eher früher als später seine beste Form erreichen.“

Der Club vertraut auf Bray. So war das von Beginn an. So hat der FC Bayern auch nach Bekanntwerden seiner Verletzung direkt den Vertrag bis 2022 verlängert. Auch diese demonstrative Überzeugung führte sicherlich dazu, dass er sich letztlich für München entschied.

Der einstige Mr. Basketball des US-Bundesstaats Wisconsin war immer einer, für den Umfeld und Vertrauen große Bedeutung hatten. Auch deshalb liest sich seine Karriere bislang bemerkenswert unspektakulär. Aus dem Princeton-College zog es ihn in Italiens zweite Liga. Über Brüssel und Rhodos landete der Mann, der bis 14 Jahren von seinem Vater trainiert worden war, schließlich in der BBL. Nicht in Ludwigsburg – der Deal platzte 2016 wegen einer Verletzung. Bray wurde zum Gesicht der Senkrechtstarter von Rasta Vechta. Vor allem Thomas Joseph Bray war es zuzuschreiben, dass der Aufsteiger geradewegs bis ins Halbfinale marschierte.

Dort verlor Vechta mit 0:3 gegen München. Doch man war längst in ganz Europa auf dieses neue Gesicht aufmerksam geworden. Der FC Bayern machte das Rennen und Geschäftsführer Marko Pesic lobte sich dafür indirekt selbst. „Wer ihn kriegt, der hat was richtig Gutes geschafft“, schwärmte er. Zu einem Zeitpunkt, als er das Ja-Wort des Spielmachers längst in der Tasche hatte.

Artikel 10 von 11