München – Jetzt auch noch Dominik Paris (30)! Die grausame Serie an Kreuzbandverletzungen im Ski-Weltcup hat auch vor dem Favoriten auf den Abfahrtssieg am Samstag in Kitzbühel nicht halt gemacht. Das 100-Kilo-Kraftpaket hat sich bei einem durch einen Innenskifehler ausgelösten Trainingssturz am Dienstag einen Riss des vorderen Kreuzbands und eine Mikrofraktur des Wadenbeinkopfes im rechten Knie zugezogen. Ein Super-Gau für die Streif-Organisatoren und die nächste Hiobsbotschaft im Ski-Zirkus. Nach Recherchen unserer Zeitung haben sich in dieser Saison alleine im Weltcup mindestens 15 (!) Athleten das Kreuzband gerissen.
„Meine Saison endet leider jetzt und hier“, sagt der Südtiroler lapidar. Deutlicher brachte es Sportdirektor Max Rinaldi auf den Punkt: „Dieser Sport ist wunderschön, aber manchmal ist er auch traurig.“ Er habe nie gedacht, dass es den Koloss aus dem Ultental treffen könnte. „Die Muskeln und der Körper sind so stark“, so Rinaldi, „aber leider ist es trotzdem passiert.“ Und leider befindet sich der dreimalige Kitz-Champion in guter Gesellschaft. Auch den Österreicher Hannes Reichelt (39) und den Franzosen Adrian Theaux (35) hat es jüngst erwischt. Die Norwegerin Ragnhild Mowinckel (27) und die Deutsche Marlene Schmotz (25) sogar jeweils zum zweiten Mal. Es sind nur vier weitere Opfer unter vielen.
„Für Paris ist das ein schwerer Schlag. Irgendwann erwischt es auf diesem Niveau fast jeden“, sagt Dr. Manuel Köhne, der vor einem Jahr DSV-Star Thomas Dreßen das Kreuzband operierte. Aber, so der Kniespezialist vom OCM, „die medizinischen Möglichkeiten sind so gut, dass wir solche Sportler mit größter Wahrscheinlichkeit wieder auf Topniveau zurückbringen.“ Der Deutsche Skiverband hat für die Betreuung seiner Athleten ein spezielles Reha-Management installiert und dafür mit Annika Stolz und Gerald Mitterbauer zwei Mitarbeiter fest angestellt, die alle Verletzten individuell betreuen. Zudem müssen alle Kaderathleten ab 14 Jahren zweimal im Jahr zu einem Körper-Screening antreten, um frühestmöglich muskuläre Dysbalancen und Defizite zu erkennen und entsprechend entgegenzuwirken. Die Kosten dafür pro Jahr sind immens.
„In der Größenordnung hat das sonst kein Verband“, sagt Wolfgang Maier. Die Gründe für die vielen Blessuren sind vielfältig. „Die Pisten werden immer härter und aggressiver, damit alle die gleichen Bedingungen haben“, so der Alpinboss. Gleichzeitig werde das Material „schwerer, schneller und produziert mehr Geschwindigkeit“. Die Belastung für den menschlichen Körper haben damit längst den Grenzwert erreicht. „Das ist wie ein tödlicher Virus. Du vernichtest den eigenen Nachwuchs in der Entwicklung“, sagte der 59-Jährige. Derzeit befinden sich im DSV-Reha-Programm rund 15 Athleten. Seit Montag gehört dazu auch Heidi Zacher, die Skicrosserin aus Lenggries zog sich jüngst eine Fraktur im rechten Sprunggelenk sowie einen Riss des vorderen Syndesmosebandes zu