München – Alvaro Odriozola musste kurz schmunzeln, als sich der Pressesprecher des FC Bayern an seinem Namen versuchte. Er dürfte nicht der Einzige sein, dem dieser spanische Zungenbrecher so seine Probleme bereitet, doch Odriozola selbst ist das egal. Je häufiger die Leute sich im kommenden Halbjahr an seinem Namen versuchen, desto besser. Das würde schließlich bedeuten, dass der 24-jährige Neuzugang des FC Bayern über seinen Status als Reservist bei Real Madrid herausgewachsen und zu einer festen Größe beim Rekordmeister gereift ist. Und geht es nach Odriozola, kann es damit ruhig schon an diesem Samstag gegen Schalke 04 losgehen.
„Ich will sofort loslegen. Ich bereite mich schon auf das Spiel gegen Schalke vor und würde gerne auflaufen“, so der Spanier gestern bei seiner Präsentation. Worauf sich die Bayernfans einstellen können? Odriozola wird als Rechtsverteidiger gelistet, hat seine Stärken jedoch vor allem in der Offensive. Der gebürtige Baske ist ein flinker und auch durchaus trickreicher Kicker, der in der Rückwärtsbewegung jedoch noch die ein oder andere Schippe drauflegen kann. Er selbst beschreibt sich folgendermaßen: „Ich sehe mich als Verteidiger mit dem Herz eines Angreifers.“
Für Hansi Flick heißt das: Er kann Benjamin Pavard somit auch in der Zentrale aufstellen und Odriozola die rechte Flanke überlassen – eine Position, die für Joshua Kimmich spätestens jetzt Geschichte sein dürfte.
Was den Cheftrainer der Bayern ebenfalls freuen dürfte: Der Unaussprechliche ist auch gern unauffällig, zumindest neben dem Platz. Während sich seine Altersgenossen im Luxus-Urlaub schon mal vergoldete Steaks gönnen, sieht Odriozolas Freizeitgestaltung aus wie folgt: „Das Typische: Spazierengehen und Zeit mit der Familie verbringen. Ich besuche auch gerne meine Pferde“, so der Neue.
Das äußere Erscheinungsbild des Spaniers passt zu seinem dezenten Auftreten. Ein grauer Anzug, die dazu passende Krawatte in Weinrot sowie seine vorbildlich gescheitelte Frisur sollten bei Odriozolas Vorstellung Zuverlässigkeit und Klasse vermitteln.
Ob er diese Attribute mitbringt, muss er erst noch im roten Trikot mit der Rückennummer 2 bestätigen. Hasan Salihamidzic jedenfalls hält große Stücke auf die Leihe von Real Madrid, die für die Bayern keine Kaufoption bereithält. „Der Trainer war sehr glücklich darüber, dass wir seinem Wunsch entsprechen konnten“, unterstrich der Sportdirektor mit Blick auf Flicks Forderungen und lobte „das gute Tempo“ sowie „die gute Technik“ Odriozolas. Und was ist im Sommer? „Ich lebe in der Gegenwart“, sagte er und umschiffte die Zukunftsfrage damit gekonnt. Er weiß, dass diese auch in unmittelbarer Abhängigkeit zu seinen Leistungen im kommenden Halbjahr steht. Odriozola muss liefern. Tut er das, bleibt der Zungenbrecher auch weiterhin in aller Munde …
Bayerns Neuzugang gilt als flink und trickreich
Salihamidzic hält große Stücke auf den Madrilenen