München – Ball flachhalten, nur nicht abweichen vom ausgegebenen Ziel, eine sorgenfreie Saison spielen zu wollen. So unspektakulär klang das zuletzt bei 1860, wenn Sportchef Günther Gorenzel und Trainer Michael Köllner vor die Presse traten. Einzige Abweichung des Trainers: „Wenn wir in einen Flow reinkommen, dann ist was möglich …“
Was genau? Robert Reisinger hat nun beim politischen Löwen-Stammtisch auf Einladung der FDP am Dienstagabend im Landtag durchblicken lassen, was er sich unter einem spektakulären Saisonfinale vorstellt. „Schau ma moi“, sagte der 1860-Präsident. „Vielleicht spielen wir ja am Ende in der Relegation gegen den Club.“ Mir wern’s seng. Am Sonntag (13 Uhr) kommt erst einmal Eintracht Braunschweig ins Grünwalder Stadion. „Das ist ein Club, der vom Etat her sicher über uns liegt“, sagte der Präsident. „Ich bin trotzdem sehr zuversichtlich, wenn ich sehe, wie geschlossen unsere Mannschaft auftritt, wie sich die Spieler für Sechzig zerreißen. Dass Geld nicht immer Tore schießt, dafür sind wir ja seit unserer Abstiegssaison in der 2. Liga das beste Beispiel.“
22 Millionen Miese hätten die Löwen damals 2016/17 gemacht, erklärte Reisinger den Politikern am Stammtisch. „Und diese Last drückt bis heute auf die Bilanz der KGaA, weil unser Mitgesellschafter nicht bereit ist, komplett in Genussscheine oder sonst was zu wandeln. Hätten wir diese 22 Millionen Miese nicht in der Bilanz stehen, dann hätte die KGaA ohne die Zinsbelastung und Kosten für Wirtschaftsprüfer 800 000 Euro mehr, die sie für Spieler einplanen könnte. Wer immer noch glaubt, dass mit Schuldenmachen sportlicher Erfolg eintritt, der setzt Hoffnung vor Erfahrung.“
Klar, dass Reisinger auch auf einen möglichen Stadionneubau angesprochen wurde. Seine Antwort: „Erst wenn die KGaA wieder atmen kann, lässt sich weitergehen und sagen, wir wollen ein eigenes Stadion bauen. Das kostet hier in München 100 Millionen! Ich hab mit vielen Leuten gesprochen, grundsätzlich ist alles vorstellbar. Aber nicht in dieser Konstellation mit einem Gesellschafter, bei dem man nicht weiß, ob er zu seinem Wort steht oder nicht.“ Hasan Ismaik hat’s vernommen.
Eiszeit hin oder her, zumindest beim Saison-Budget gibt es Fortschritte. So sei der Etat für die neue Spielzeit laut Reisinger schon vor dem Weigl-Transfer von 2,4 auf 3,1 Millionen Euro erhöht worden, auch weil die Stadt ein Entgegenkommen bei der Stadionmiete signalisiert habe. Durch den BVB-Nachschlag plane man aktuell mit 3,5 Millionen für die nächsten beiden Jahre. Mit Luft nach oben?
Inwieweit der Weiterverkauf von Marin Pongracic (Salzburg/Wolfsburg) in Verträge gesteckt werden könne, sei laut Reisinger Gegenstand der internen Diskussion. Berücksichtigt werden müsse die Sanierung des NLZ. „Denn da ist die Konkurrenz durch Clubs wie etwa Ingolstadt und Regensburg noch mal größer geworden“, sagte Reisinger.