Zwischen Tasci und Luiz Gustavo

von Redaktion

Wintertransfers sind nicht das Kerngebiet der Bayern – es gab schon Tops, aber auch echte Flops

VON HANNA RAIF

München – Im Trainingslager in Katar kommt oft mal Hektik auf, und ein besonderer Fall spielt im Jahr 2012. Über Doha war es schon dunkel geworden, als die Nachmittags-einheit des FC Bayern beendet war und die Nachricht die Runde machte, dass Marco Reus, damals in Gladbach aktiv, im Sommer zu Borussia Dortmund und somit nicht zum FC Bayern wechseln würde. Sie dominierte diesen Abend und auch das restliche Trainingslager. Man dachte schon weiter, längst an die nächste Saison – denn Wintertransfers? Die sind ja normalerweise nichts für den Rekordmeister aus München.

Heuer ist es also anders gekommen, gestern wurde Alvaro Odriozola offiziell an der Säbener Straße vorgestellt. Der Baske steht für eine Philosophie, die die Bayern nur in Ausnahmesituationen praktizieren. Ein Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeigt: Es gab nicht allzu viele Winter-Neuzugänge – und unter den wenigen gab es Tops genauso wie Flops.

Nimmt man den letzten Winter als Maßstab, ist alles bestens gelaufen. Denn auch wenn es ein wenig dauerte, ehe Alphonso Davies eine echte Chance bekam und diese auch nutzte, hat sich der Kanadier zur Stammkraft in Hansi Flicks Kader entwickelt. Natürlich spielte es dem 19-Jährigen in die Karten, dass David Alaba von seinem Stammplatz hinten links ins Abwehrzentrum beordert wurde, trotzdem ist seine Entwicklung inklusive Umschulung vom Flügelflitzer zum Verteidiger beachtlich. In Zukunft, so verkündete er jüngst, wolle er wieder weiter vorne spielen, im Moment sei er aber einfach froh, gebraucht zu werden. Sein Vertrag läuft bis 2023, man traut ihm zu, das Bayern-Spiel nachhaltig zu prägen.

Davies allerdings war nicht der klassische Wintertransfer, denn seine Verpflichtung für Januar 2019 wurde bereits im Sommer 2018 eingetütet. Anders war das zum Beispiel bei Serdar Tasci, der 2016 im Winter kam. Der Transfer des Ex-Stuttgarters war eine Reaktion auf die damalige Verletzungsmisere in der Abwehr, die Leihgebühr an Spartak Moskau betrug 2,5 Millionen Euro. Geld, das angesichts von insgesamt drei Liga-Einsätzen im Nachhinein wie rausgeschmissen wirkte.

Ein Mini-Intermezzo erlebte Landon Donovan zwischen Januar und März 2008 unter Jürgen Klinsmann, Bewertung: durchgefallen! Anders erging es da Sandro Wagner zumindest in seiner ersten Halbserie. 13 Millionen Euro ließen sich die Bayern den Wechsel des als Ersatzmann für Robert Lewandowski eingeplanten Stürmers kosten. Unter Jupp Heynckes bekam der ehemalige Hoffenheimer Einsätze, unter Niko Kovac dann nicht mehr. Ein Jahr später ging er nach China – im Winter.

Ein absoluter Durchstarter unter den Wintertransfers war Luiz Gustavo, der in Doha zur Mannschaft stieß und offiziell vorgestellt wurde. 17 Millionen Euro, das ist Bayerns Winter-Rekord, und Gustavo blieb gleich zweieinhalb Jahre. 100 Pflichtspiele, dazu der Gewinn des Triples und später eine Ablöse von 16 Millionen Euro, die der VfL Wolfsburg für den Brasilianer überwies. Besser kann es eigentlich nicht laufen.

Im Fall von Breno war es sicher nicht ausschlaggebend, dass er 2008 im Winter nach München wechselte. Das Sorgenkind wäre wohl auch nicht richtig in München angekommen, wäre er im Sommer verpflichtet worden. Verletzungen und die Entfernung zu seiner Heimat frustrierten ihn, der Rest – Brandstiftung, Haftstrafe – ist bekannt. Ein trauriger Fall.

Schnell wieder weg waren Julio dos Santos (2006) und Slawomir Wojciechowski (2000), etwas länger blieb Emil Kostadinow (1995), und ein ganz spezieller Fall war Bixente Lizarazu. Der hatte von 1997 bis 2004 in München gespielt, kam im Winter 2005 ein zweites Mal – und blieb bis zum Karriereende. Als Stammspieler, untypisch für einen Wintertransfer.

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