TRASH-TALK

Die Meister der Provokation

von Redaktion

„Trash-Talk ist eine Form der Beleidigung, die normalerweise bei Sportveranstaltungen zu finden ist“, erklärt das Onlinelexikon Wikipedia. Man kann Trash-Talk auch wörtlich übersetzen: Müll reden. Ziel dabei immer: Den Gegner einzuschüchtern, zu provozieren, zu unbedachten Handlungen verführen.

Die Beleidigung auf dem Spielfeld gehört zum guten respektive schlechten Ton im Profisport. Trash-Talker sind oft auch die, die ein tadelloses Image haben. Wie Andy Beck, der belesene Fußballer (Stuttgart, Hoffenheim), mit dem es mehr Interviews über Bücher als über Sport gibt. Doch er bekannte gegenüber der „Bild“: „Trash-Talk gibt es bei mir auch. Nie vorsätzlich. Fast immer als Redaktion. Manchmal entwickeln sich die Dinge dann eben aus der Emotion heraus, sogar so, dass man vielleicht über sich selbst überrascht ist. Das will ich auch gar nicht unterdrücken. Es geht dann nicht um Political Correctness. Sondern darum, klar und prägnant zu sein.“ Basketballstar Dirk Nowitzki verweigerte sich dem verletzenden Wortschwall ebenfalls nicht – wenngleich er dabei auf einen Nebeneffekt zielte: „Ich habe immer Trash-Talk gemacht und den in die Kabine gebracht, um die Jungs aufzulockern“, verriet er nach seiner Karriere dem „Kicker“.

Ein Trash-Talk ist keine Argumentation, sondern bewusst unsachlich gehalten. Man spricht dem Gegner einfach die sportliche Klasse ab oder macht sich über Äußerlichkeiten lustig. Auch unbeteiligte Familienmitglieder müssen herhalten. Zinedine Zidane (Frankreich) sagte dem an seinem Trikot ziehenden Marco Materazzi (Italien) im WM-Finale 2006: „Wenn du es haben willst, schenke ich es dir nachher.“ Antwort: „Deine Schwester wäre mir lieber.“ Dann soll seitens Materazzis noch das Wort „Nutte“ gefallen sein, woraufhin Zidane ausrastete.

Eine Trash-Talk-Legende war der finnische Eishockeystürmer Esa Tikkanen, in den 80er-Jahren Mitglied des weltbesten Teams Edmonton Oilers, wo er als Beschützer von Superstar Wayne Gretzky galt. Seine Art des Dauerbetextens der Gegner im Sprach-Mischmasch Englisch, Finnisch, Schwedisch erhielt eine eigene Bezeichnung: „Tikki-Talk“. Sogar von der Bank aus kommentierte Tikkanen. Es war fast Kunst.  gük

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