Graz – Für einen ganz kurzen Moment stand Paul Fentz am Ende seines Programms tatsächlich einfach nur mitten auf dem Eis und war sichtlich erleichtert. „I’m still standing“ – selten hat eine Kürmusik besser zur aktuellen Situation eines Eiskunstläufers gepasst.
Die Mutmach-Hymne von Elton John war die perfekte Untermalung zu einem kaum erwarteten achten Platz bei den EM in Graz. Denn der Routinier aus Berlin war nach einem verkorksten nach-olympischen Winter eigentlich bereits am Tiefpunkt seiner sportlichen Karriere angekommen. Raus aus der Kaderförderung, kein Sportsoldat bei der Bundeswehr mehr – Fentz steckte tief in einer Sackgasse. „Aufhören wäre sicherlich der einfachere Weg gewesen, weil ich mich dadurch der ganzen Diskussion entzogen hätte. Aber der einfachste Weg ist nicht immer der beste“, sagte der dreimalige deutsche Meister rückblickend.
Aus dem vermeintlichen Auslaufmodell, dem die Deutsche Eislauf-Union (DEU) zugunsten jüngerer Athleten den Geldhahn bereits zugedreht hatte, ist nun wieder die klare Nummer eins in Deutschland geworden. Schon nach dem dritten nationalen Titel für Fentz zu Monatsbeginn in Oberstdorf war die DEU ein Stück weit zurückgerudert, er wird nun wenigstens im Perspektivkader geführt – mit 27 Jahren. sid