Ritterschlag dank 20 Volltreffern

von Redaktion

Herrmann schießt erstmals im Einzel fehlerfrei und feiert ersten Saisonsieg

Pokljuka – Denise Herrmann schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. An einem rundum „perfekten Tag“ war Deutschlands bester Biathletin tatsächlich das Unmögliche gelungen – 20 Treffer ins große Glück! „Das ist sehr speziell“, gestand die 31-Jährige nach ihrem Erfolg im Einzel von Pokljuka, der Klassiker-Disziplin schlechthin. „Das ist wie ein Ritterschlag. Wer hätte das einmal gedacht?“

Bestimmt nicht viele – weil sich das Schießen häufig noch als die Wackeldisziplin der ehemaligen Langläuferin entpuppt. Nicht aber am Freitag im Rennen über 15 Kilometer, in dem die Verfolgungsweltmeisterin souverän eine Scheibe nach der anderen traf. „Man muss immer fokussiert bleiben, jeden Schuss abarbeiten“, sagte Herrmann nach dem fünften Weltcup-Sieg ihrer Karriere.

Nach dem WM-Titel in der Verfolgung im vergangenen Jahr stufte sie den Triumph in Pokljuka direkt an zweiter Stelle ein. Auch, weil er so überraschend kam: Noch nie hatte Herrmann in einem Wettkampf mit vier Schießeinlagen fehlerfrei agiert. Ihr bestes Resultat im Einzel, in dem jeder Fehler am Schießstand direkt mit einer Strafminute geahndet wird, war zuvor ein 18. Rang gewesen.

„Im Einzel kann eben immer alles passieren“, sagte Herrmann, die auf der modifizierten Strecke in den Wäldern Sloweniens auch von ihrer berauschenden Laufleistung profitierte. Knackige Anstiege, rasante Abfahrten – das gefällt der Sächsin. „Da sind schwierige Passagen dabei, das kommt mir natürlich sehr entgegen“, sagte Denise Herrmann, die deshalb schon „mit einem positiven Gefühl“ in das Rennen gegangen war.

Herrmann untermauerte damit ihre Ausnahmestellung im deutschen Team. Schon zuvor hatte sie mit ihrem 2. Rang im Sprint in Oberhof die bis dato einzige Podestplatzierung in diesem Winter verbucht, von insgesamt nun 13 Top-Ten-Platzierungen der deutschen Skijägerinnen gelangen allein Herrmann acht.

Damit zählt sie nun auch für die WM in Antholz (13. bis 23. Februar) zu den Medaillenanwärterinnen. Die Oberwiesenthalerin traut sich Edelmetall in Antholz auch zu. „Die vielen Nullserien geben im Hinblick auf die WM schon mehr Selbstvertrauen“, sagte Herrmann.

Auch Franziska Preuß glänzte in Pokljuka mit einer fehlerfreien Schießleistung, war jedoch nicht ganz so schnell wie ihre Teamkollegin unterwegs. Die 25-Jährige zeigte mit Rang fünf aber weiter ansteigende Form.

Einziger Wermutstropfen an diesem Tag: Weniger als drei Wochen vor den Titelkämpfen zeichnet sich mehr und mehr eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ mit Herrmann an der Spitze ab. Denn nur Herrmann, Preuß und Vanessa Hinz haben die WM-Norm erfüllt – das würde derzeit nicht einmal für eine Staffel genügen. Ein mittelschweres Fiasko im Jahr eins nach dem Rücktritt der herausragenden und unersetzlichen Laura Dahlmeier.

Damit steht auch fest, dass die Verantwortlichen des Deutschen Skiverbandes (DSV) um Bundestrainer Mark Kirchner notgedrungen weitere Athletinnen ohne die erfüllten Forderungen nominieren müssen, vermutlich werden es zwei oder gar drei sein. Zum einen, um überhaupt ein Staffelquartett aufbieten zu können. Und zum anderen, um die fünf Startplätze auszuschöpfen, die dem DSV im Sprint aufgrund Herrmanns Titel zur Verfügung stehen.  sid

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