Sander findet das Gaspedal

von Redaktion

Mit Rang 8 bester Deutscher beim Super G am Hahnenkamm – Dreßen nur 17.

VON ELISABETH SCHLAMMERL

Kitzbühel – Und dann kamen die Elche. Den ersten Angriff aus Norwegen wehrte Matthias Mayer, der Lokalmatador, im gestrigen Super-G-Rennen noch ab. Halbwegs jedenfalls. Aber er musste auf dem begehrten Sessel des Führenden schon etwas rücken, um für den zeitgleichen Alexander Aamodt Kilde ein wenig Platz zu machen. Eine Viertelstunde später hatte das Gedränge ein Ende, denn Kildes Landsmann Kjetil Jansrud beanspruchte den Platz ganz für sich alleine – und zerstörte Österreichs Hoffnung auf den ersten Sieg in Kitzbühel seit 2017. Die große Tribüne am Hahnenkamm, auf der die Prominenten sitzen und jene, die sich dafür halten, hat sich schnell geleert, als feststand, dass Mayer mit dem zweiten PlatzvVorlieb nehmen musste.

Schon in den letzten beiden Jahren fanden sich mehrere Partycrasher aus dem Ausland, darunter zwei deutsche Sieger. Die benahmen sich dieses Mal aber wie rücksichtsvolle Gäste, die den Gastgebern den Vortritt lassen. Thomas Dreßen fuhr „einfach in der Weltgeschichte umeinander“, wie er zugab. Für seinen 17. Platz wollte er keine Ausreden zulassen. Weder ein Problem mit seinen Skiern noch ein möglicherweise zu großer Respekt vor der Streif nach einem Jahr Verletzungspause seien der Grund für die Enttäuschung, betonte der Mittenwalder. Im TV-Interview schimpfte der Streif-Abfahrtssieger von 2018 mit deftiger Ausdrucksweise: „Das hat nichts mit Respekt zu tun, wenn ich einen Sch…dreck zusammenfahre. Ich bin einfach sch… gefahren, das muss ich so sagen.“ Dreßen hofft nun auf die Abfahrt an diesem Samstag: „Da kenne ich die Richtung. Ich weiß auf alle Fälle, dass ich da schnell bin.“

Super-G-Vorjahresgewinner Josef Ferstl musste mit der in den schnellen Disziplinen meist sehr undankbaren Startnummer 1 ins Rennen gehen, „da bist du normal in Kitzbühel Kanonenfutter“, sagte Alpinchef Wolfgang Maier. Im vergangenen Winter hatte Ferstl zwar mit der „1“ gewonnen, aber „das passiert bei 1000 Starts einmal“, so Maier. Dieses Mal reichte es für Ferstl nur zu Platz 36.

Dass am Ende Andreas Sander als Achter bester Deutscher werden würde, kam nach den Eindrücken im Abfahrtstraining nicht ganz überraschend. Da hatte sich der Ennepetaler beide Male unter den besten Zehn platziert. Wie für Dreßen ist es auch für ihn eine Comeback-Saison nach einem Kreuz-bandriss, aber anders als beim Teamkollegen musste sich Sander erst langsam herantasten. Bis Kitzbühel, gab er zu, „habe ich nicht so das Gaspedal gefunden“. Der Super-G fühle sich deshalb ein bisschen wie eine Wende an, sagt Sander. „Ich habe mich hier seit dem ersten Training gut gefühlt“ – so wie vor zwei Jahren, als er in der Abfahrt die Bestzeit von Dreßen beinahe noch geknackt hätte, aber nach einem kleinen Fehler im Schlussabschnitt auf den sechsten Platz zurückfiel.

Auch Jansrud konnte bis Freitag nicht von einer guten Saison sprechen. In der Abfahrt hat der Weltmeister von 2017 auf keiner Strecke bisher die Ideallinie gefunden, im Super-G wurde er in Gröden zwar Zweiter vor Dreßen, aber das war sein einziger Podestplatz bis Kitzbühel. „Wenn es nicht so läuft, machst du immer wieder einen Schritt in die falsche Richtung“, sagte er über die Schwierigkeit, aus dem Teufelskreis auszubrechen.

Womöglich hat es auch etwas mit der Erwartungshaltung zu tun. Nach dem Rücktritt von Aksel Lund Svindal war Jansrud die neue Nummer 1 im Team – und mit dieser Rolle fremdelte der 34-Jährige erst einmal. Kilde sprang in die Bresche. Mit konstanten Leistungen in vier Disziplinen entwickelte er sich sogar zu einem sehr ernsthaften Anwärter auf den Gesamtweltcup. Im Moment liegt er mit 20 Punkten Rückstand auf seinen Teamkollegen Henrik Kristoffersen auf dem 2. Platz. Jansrud ist jetzt aber der einzige Norweger, der in dieser Saison ein Rennen in den schnellen Disziplinen gewonnen hat.

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