„Wahnsinnig wichtig“

von Redaktion

Sieg über Tel Aviv macht Mut

VON PATRICK REICHELT

München – Der Mann des Abends kam spät aus der Kabine geschlappt. Als einer der letzten seines Teams. Doch das Lächeln war noch nicht aus dem Gesicht von Nihad Djedovic verschwunden. Wie könnte es auch, der Mann hatte einen Abend der besonderen Art erlebt. 19 Punkte hatte er eingesammelt, nebenbei noch Gegenspieler Scottie Wilbekin entnervt. Am Ende stand ein 80:68 seiner Bayern-Basketballer über Euroleague-Titelaspirant Maccabi Tel Aviv. Verbunden mit der klaren Botschaft nach Europa: Jawohl, wir leben noch.

Was auch Djedovic tief durchschnaufen ließ. „Das war wahnsinnig wichtig für uns“, sagte er, „es hat doch keiner mehr wirklich daran geglaubt, dass wir gewinnen können.“ Auch in der Mannschaft nicht. Die vielen vernichtenden Niederlagen der letzten Monate waren den Bayern kräftig ans Gemüt gegangen. Auch die Impulse des neuen Trainers Oliver Kostic schienen zu verpuffen. „Wir haben in den Spielen unter Kostic jedes Mal ein, zwei Sachen besser gemacht“, sagte Paul Zipser, mit 17 Punkten die Nummer zwei seines Teams, „dafür waren andere Sachen so schlecht, dass wir verloren haben.“ Diesmal sah es anders aus. Und dass das so war, hatte viel mit Nihad Djedovic zu tun. Der Guard knüpfte nach langer Zeit wieder einmal an die Form des Vorjahres an, als er es zum wertvollsten Spieler der Finalserie gegen Alba Berlin brachte. Dass Vergleichbares möglich sein könnte, das war etwas, woran er nun, nach einer mäßig erbaulichen Spielzeit, nur noch bedingt zu glauben wagte. Er, den sie im vergangenen Jahr wegen seiner Auftritte zum wertvollsten Spieler der Finalserie gegen Alba Berlin gekürt hatten. „Ich war in dieser Saison vier Mal verletzt“, sagte er, „ich habe gezweifelt, dass ich diese Form wieder erreichen kann.“

Djedovic hat sich selbst überzeugt, die Mannschaft hat sich selbst überzeugt. An einem Abend der guten Nachrichten – der wegen einer Knieblessur passende Vladimir Lucic wurde kurz vor dem Euroleague-Showdown zum zweiten Mal Vater einer Tochter. Langsam aber sicher wächst die Überzeugung, dass vielleicht doch noch alles sehr viel besser werden kann. „Vielleicht ist die Euroleague jetzt schon verloren“, sagte Djedovic, „aber wir werden alles versuchen.“

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