Stockholm – Bei einem Ausflug ins Stockholmer Nachtleben stießen Deutschlands Handballer auf den fünften EM-Platz an – dann ging es am Sonntagmorgen mit einem klaren Auftrag der Verbandsspitze endlich nach Hause. „Unser Ziel bleibt eine Olympia-Medaille in Tokio. Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie das Zeug dazu hat“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann am Ende einer Europameisterschaft mit Höhen und Tiefen.
Der versöhnliche Abschluss mit dem 29:27 gegen Favoritenschreck Portugal ließ Bundestrainer Christian Prokop und seine Schützlinge mit gutem Gefühl die Heimreise antreten. „Die Mannschaft hat eine tolle Entwicklung genommen“, lobte Prokop. „Sicher mit einem brutalen Rückschlag gegen Kroatien, aber danach haben wir alle Spiele gewonnen.“ Ein Jahr nach Rang vier bei der Heim-WM musste die DHB-Auswahl allerdings erneut feststellen, dass sie zwar nah dran ist an der Weltspitze, aber eben nicht dazugehört. Zum vierten Mal nacheinander wurde bei einem Turnier die angepeilte Medaille verpasst. „Für den großen Wurf fehlt uns noch etwas“, konstatierte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Der soll nun bei Olympia gelingen.
Doch schon der Weg nach Tokio wird schwer, denn in der Qualifikation Mitte April in Berlin bekommt es Deutschland neben einem Afrika-Vertreter mit Rekord-Europameister Schweden und dem EM-Vierten Slowenien zu tun. DHB-Sportvorstand Axel Kromer ist dennoch zuversichtlich, einen der ersten beiden Plätze zu erkämpfen: „Wir haben den Trumpf des Heimvorteils.“
In den verbleibenden zweieinhalb Monaten gibt es einiges zu tun. „Es gibt individuelle Defizite, die werden wir intern ansprechen. Da müssen Verbesserungen her, damit wir in Stresssituationen besser gewappnet sind“, sagte Prokop. „Das betrifft vor allem den Rückraum, wo wir das größte Steigerungspotenzial haben.“ Nur Philipp Weber genügte dort höheren Ansprüchen und gehörte neben Torwart-Oldie Johannes Bitter und Rechtsaußen Timo Kastening zu den wenigen Gewinnern im Team.
Eine Gewissheit hat der Bundestrainer. „Das Innenleben des Teams ist hervorragend“, betonte Prokop. „Ab der Hauptrunde wusste ich, dass die Moral stimmt. Jeder hat alles eingezahlt.“ Diese Geschlossenheit fehlte der Verbandsspitze. Es bleibt ein Rätsel, weshalb Vizepräsident Hanning die nach dem Kroatien-Spiel aufgeflammte Trainerdebatte befeuerte, anstatt sie mit einem klaren Statement im Keim zu ersticken. „Die Nebengeräusche haben mich 50 Stunden zu sehr beschäftigt. Das hat bei einer EM einfach keinen Platz“, sagte Prokop. dpa