Nagelsmann gegen seine Spieler

Kein Leipziger Allerlei

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Das Verhalten von Fußball-Trainern bei Rückständen oder Niederlagen gehört zu den größten Irrtümern bei Fans und Beobachtern: Nach ihren eigenen Erfahrungen aus Kreis- oder Bezirksliga erwarten sie, dass Profi-Trainer ihren Spielern bei einem Rückstand zum Beispiel in der Halbzeitpause gehörig den Marsch blasen und Kabinen zum Wackeln bringen. Die teuren Kicker-Beine grätschen danach geläutert und mit schlechtem Gewissen. Mit der Hoffnung, sich zu rehabilitieren. So die Theorie.

Noch nie hat ein Profi mir persönlich Derartiges aus der Kabine berichtet. Stattdessen seien die Pausen immer sachlich, ruhig und auf Fakten basierend. Selbst Emotionsgarant Jürgen Klopp würde nie in die Rumpelstilzchen-Schublade greifen, versichern Weggefährten von ihm. Dementsprechend heikel wirkt die Strategie von Julian Nagelsmann. Mit seiner harten Kritik an der Einstellung seiner Spieler appelliert er kalkuliert an die Ehre seiner Profis und hofft, dass sie es ihm in der nächsten Trainingswoche und besonders am nächsten Spieltag gegen Mönchengladbach beweisen wollen.

Wäre die Nagelsmanns-Kritik an diesem Punkt beendet, müsste man sie als durchschaubar und plump bezeichnen. Doch der jüngste Bundesliga-Trainer aller Zeiten unterstreicht mal wieder, dass er für höhere Aufgaben prädestiniert ist. Der 32-Jährige nimmt sich von der Kritik nicht aus. Im Gegenteil: Er markiert sich als Ausgangspunkt und setzt sich mit seinen Jungs in dasselbe Boot. „Der Trainer ist auch dazu da, die letzten Prozentpunkte herauszukitzeln. Dafür bin ich geholt worden“, sagte er nach der 0:2-Pleite in Frankfurt und macht deutlich: Wir haben gemeinsam Mist gebaut. Jetzt lasst uns gemeinsam diesen Mist wieder aus dem Weg räumen. So beugt er geschickt einem Riss zwischen ihm und seiner Mannschaft vor.

Genau genommen beinhaltet seine Frust-Rede sogar ein Lob. Sie drückt aus, dass er es seinen Jungs zutraut, nach 34 Spieltagen ganz oben in der Tabelle zu stehen. Aber eben nicht mit solchen Auftritten wie in der Mainmetropole. Und das wird Nagelsmann seiner Mannschaft unter der Woche mit Sicherheit auch noch einmal ruhig und sachlich erklären.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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