Österreich versöhnt sich selbst

von Redaktion

Marco Schwarz verpasst als Slalom-2. nur knapp den ÖSV-Doppelschlag in Kitzbühel

Kitzbühel – Ein paar Minuten lang befand sich der Ganslernhang im Ausnahmezustand. Die Zuschauer tobten, als Marco Schwarz beim letzten der drei Rennen führte und damit die Hoffnung auf den ersten Doppel-Triumph bei Abfahrt und Slalom in Kitzbühel seit 2002 nährte. Aber dann zerstörte der Schweizer Daniel Yule die österreichischen Träume und holte sich seinen dritten Saisonsieg im Torlauf, vor Schwarz und Vorjahresgewinner Noel Clement aus Frankreich.

Die Deutschen hatten mit der Entscheidung nichts zu tun, obwohl Anton Tremmel aus Rottach-Egern im ersten Durchgang überraschend mit der hohen Startnummer 50 auf den siebten Platz vorgefahren war. Aber im Finale konnte er nicht halten, was er vormittags noch versprochen hatte und fiel auf den 18. Platz zurück – es war trotzdem das beste Karriere-Resultat des 25-Jährigen. Einer war aber besser: Der Oberstdorfer Sebastian Holzmann nutzte als 30. des ersten Laufes die gute Piste und verließ Kitzbühel als 17. Linus Straßer dagegen schied aus. „Ich habe probiert, Gas zu geben, es ist sich nicht ausgegangen“, sagte der Münchner nach seinem ersten Ausfall in dieser Saison.

Trotz verpasstem Slalomsieg war Österreich der große Sieger des Wochenendes. Gut, im Nationencup ist noch immer die Schweiz vorne, aber der stand in Kitzbühel ja auch nicht im Mittelpunkt. Es ging in erster Linie um die Abfahrt, „den Superbowl of Ski“, wie der Streckensprecher ins Mikrofon rief. In den vergangenen fünf Jahre hatten die rot-weiß-rote Skination stets der Konkurrenz den Vortritt lassen müssen im Kampf um die goldene Gams.

Dass sich die Trophäe und das Rekord-Preisgeld von 100 000 Euro nun Matthias Mayer sicherte, war wie eine Erlösung. Für den Verband, aber auch für den Athleten. „Es ist schon eine Last weg“, gab der Kärntner zu. „Es ist ja das Rennen der Rennen“, das mit dem höchsten Imagewert, zumal in einer Saison ohne Großereignis. Mayer hatte aufgrund der Trainings und des zweiten Platzes am Tag zuvor im Super-G zu den Topfavoriten gehört, aber das war schon öfters der Fall, aber dann im Rennen den einen oder anderen Fehler eingebaut, weshalb es bis Kitzbühel nie zum Platz ganz oben auf dem Podest in der Abfahrt gereicht hatte.

Dass es nun ausgerechnet auf der Streif klappte mit dem ersten Abfahrtssieg für Mayer seit fast zwei Jahren, war sicher kein Zufall. Er ist der Mann für die richtig großen Siege: Olympia 2014 und 2018 und nun Kitzbühel – wenn es darauf ankommt, liefert er. „Das fällt mir auch auf“, sagte Mayer. Womöglich hat ihm dabei auch die Wahl der Startnummer geholfen. er entschied sich für die 13. Die trugen auch die Sieger von 2018, Thomas Dreßen, und 2019, Dominik Paris 2019. Elisabeth Schlammerl

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