Zverev bei den Australian Open

Jetzt ist der sogar der Titel möglich

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Das Mysterium Alexander Zverev: Wie verwandelt man sich innerhalb von zwei Wochen von einer sportlichen Lachnummer beim ATP Cup zum Halbfinalisten mit ernsthaften Titel-Ambitionen bei den Australian Open? Die Antwort liegt im Aufschlag des 22-Jährigen.

Er ist der Gradmesser für sein Spiel. Hakt es bei seinem Service, streut er Doppelfehler en masse ein, verliert das Vertrauen in sein Potenzial und bricht in sich zusammen. Für einen Einzelsportler ein fataler Dominoeffekt. In Melbourne ist bis dato jedoch das Gegenteil zu beobachten – zuletzt während seines Viersatz-Erfolgs gegen die Schweizer Kraftmaschine Stan („the Man“) Wawrinka.

Über das gesamte Match lag seine Quote an ersten Aufschlägen bei 80 Prozent. Ein unglaublicher Wert. Bei knapp über 50 Prozent pendeln sich alle Spitzenspieler über eine Partie in der Regel ein. So kam Wawrinka im Duell mit Zverev auch auf 56 Prozent. Da sich Zverev beim ersten Grand Slam Turnier des Jahres bisher auf seinen Aufschlag verlassen kann, gelingt ihm auch mehr von der Grundlinie. Er kann mehr riskieren und muss nicht fürchten, im nächsten Aufschlagspiel prompt ein Break zu kassieren. Bei seinem eigenen Service fällt er zudem nicht gleich nach hinten, sondern kann das Spiel nach dem ersten Aufschlag von der Grundlinie diktieren.

Im Halbfinale gegen Dominic Thiem wird sich zeigen, ob der Deutsche einfach nur gut in Form oder schon ein großer Champion ist. Sein stets präsentes und manchmal übergroßes Selbstvertrauen kann ihm in dieser Konstellation den Weg ebnen. Zverev hat keine Angst vor der eigenen Courage. Im Gegenteil: Er weiß genau, was er kann und teilt dies auch gerne mit dem Rest der Welt. Bei den BMW Open in München im vergangenen Jahr verkündete er: „Wenn ich mein bestes Tennis spiele, kann mich eigentlich niemand schlagen“. Forsche Töne. Erst recht, da er mit seiner Aussage Roger Federer, Novak Djokovic und Rafael Nadal einschloss.

Viele (junge) Spieler erschrecken schon, wenn sie nur den Namen dieser drei lebenden Legenden lesen und sind dankbar, wenn sie mit ihnen auf demselben Platz spielen dürfen. Das reicht einem Alexander Zverev allerdings nicht. Er will gegen jeden gewinnen. Und bei 80 Prozent erster Aufschläge ist das auch möglich.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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