Düsseldorf – Was macht Unterhaching-Präsident Manfred Schwabl am Vortag der ersten Aktionärsversammlung seines Vereins? Er besucht das Sport Business Festival (SPOBIS) in Düsseldorf, um als Vortragsredner über – natürlich – die Haching-Aktie zu sprechen. Somit nutzte Schwabl die Gunst der Stunde, um auch über die bayerische Landesgrenze hinaus kräftig die Werbetrommel für den Verein zu rühren.
Denn: Er bildete gestern zusammen mit St. Pauli Präsident Oke Göttlich, BVB-Geschäftsführer Thomas Treß und und dem Mainzer Vorstandsboss Stefan Hofmann Teil der Diskussionsrunde „Unternehmensformen im Profifußball: Clubs als Wirtschaftsunternehmen“. Als Schwabl gestern Mittag die Düsseldorfer Messehalle erreichte, gab er sich mit Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge die Klinke in die Hand. Und Rummenigge sprach Klartext: Der FC Bayern stemmt sich gegen ein Sommerturnier der Champions League in den USA und eine weitere Aufblähung der europäischen Königsklasse. „Repariere nicht, was nicht kaputt ist. Und die Champions League ist alles, nur nicht kaputt“, sagte der Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.
Einer Teilnahme des Rekordmeisters an einer „Champions League on Tour“ durch Amerika in der Sommerpause erteilte der 64-Jährige eine deutliche Absage. Ein solches Turnier mache „keinen Sinn“. Der FC Bayern habe „überhaupt kein Interesse“ daran, versicherte Rummenigge. Zuletzt waren Pläne für ein Sommerturnier mit 16 Topvereinen aus Europa bekannt geworden, das in den USA gespielt werden soll. „Unsere Trainer, unsere Spieler würden uns ins Kreuz reinspringen, wenn wir daran teilnehmen“, sagte Rummenigge. Auch die höchst umstrittenen Pläne für eine Reform der Champions League lehnen die Münchner ab. „Ich glaube, es gibt gar keinen Veränderungsbedarf“, sagte Rummenigge. „Die Spieler haben kaum noch Luft zum Atmen, zur Regeneration. Wir sind an einem Punkt, an dem etwas weniger etwas mehr ist“, sagte Rummenigge.
Eine Entscheidung über eine Reform fällt wohl frühestens Ende des Jahres. Deutlich positiver steht Rummenigge dem neuen Format für die Club-WM der FIFA gegenüber. „Das ist total sinnvoll“, sagte der Bayern-Chef. Das bisherige Mini-Turnier vor Heiligabend sei „Nonsens“.
Noch nicht endgültig klar ist, welche Teams bei dem Turnier starten werden und wie der Qualimodus sein wird. Die FIFA und vor allem ihre Geldgeber dürften aber daran interessiert sein, vor allem Europas Top-Teams dabei zu haben. Acht sollen es mindestens sein.
Interessante Begegnungen gibt es auf der Veranstaltung aber auch abseits der Vortrags-Bühnen. Dabei kommt es durchaus vor, dass man beim Mittagessen plötzlich zufällig mit Stefano Mazoletti am Tisch sitzt. Stefano, wer? Mazoletti war der persönliche Dolmetscher von Carlo Ancelotti zu dessen Zeit als Bayern-Trainer. Das letzte Mal traf Mazoletti seinen „Mister“ als der mit Neapel in der Champions League auf Liverpool traf. Mittlerweile ist Ancelotti ja beim englischen Premier-League-Klub aus Everton angestellt. Gut für Carletto: Sein Englisch war stets besser als sein Deutsch. Aja: Und auch der Bundesliga-Abstiegskampf war gestern auf dem SPOBIS spürbar.
Für einen Vortrag über Scouting als Geschäftsmodell waren neben Markus Krösche (RB Leipzig) und Jonas Boldt (Hamburger SV) auch Lutz Pfannenstiel von Fortuna Düsseldorf und Frank Baumann von Werder Bremen eingeladen.
Die beiden letztgenannten sagten wegen der prekären sportlichen Situation ihrer Vereine ab.