„Wir spielen das Spiel, das auch er geliebt hat“

von Redaktion

Nach Kobe Bryants Tod: Greg Monroe kehrt mit den Bayern in den Alltag zurück

VON PATRICK REICHELT UND NICO MARIUS SCHMITZ

München – Gestern war dann auch Greg Monroe wieder im Alltag angekommen. Mit seinen Basketballern des FC Bayern brach der US-Center nach Italien auf. Dort geht für die Münchner heute (21.15 Uhr) bei Olimpia Mailand der Versuch weiter, von dieser Euroleague-Saison zu retten, was noch zu retten ist.

Doch irgendwie war Monroe ganz froh, dass der Spielplan ihm und seinen Münchnern in dieser Woche wenigstens ein bisschen Luft bescherte. Zeit, die Nachricht vom Tod von NBA-Legende Kobe Bryant zu verarbeiten. Dem früheren Lakers-Star war Monroe selbst noch auf dem Spielfeld begegnet. Und Bryant war ein Mann, zu dem auch der Münchner 2,11-Meter-Hüne aufschaute. „Wie er gespielt hat, das war einfach nur große Kunst. Was er dem ganzen Sport gegeben hat, kann man gar nicht ermessen“, sagte er, „das ist unheimlich traurig. So eine Tragödie rückt deine Perspektive wieder zurecht.“

Nicht ganz einfach, unter diesen Umständen zur Normalität zurückzukehren. Auch in Mailand wird Bryant wohl nicht nur wegen der geplanten Schweigeminute allgegenwärtig sein. Monroe hat seinen Ansatz längst gefunden: „Wir spielen das Spiel, das auch er geliebt hat – das wir alle lieben.“

Und es ist ja nicht so, dass der Mann aus New Orleans mit seinen Kollegen keine Ziele mehr hätte. Die Bayern wollen beweisen, dass sie besser sind als in der weitgehend überschaubaren Hinrunde. Auch Monroe selbst weiß, dass er – trotz ordentlicher Statistiken (im Schnitt 12,5 Punkte und 6,8 Rebounds in der Euroleague, 18,1 und 5,3 in der BBL) – ebenfalls noch Luft nach oben hat. Was nach über 600 Spielen in der NBA sicher wesentlich auch der Umstellung auf den langsameren, teamorientierteren europäischen Basketball geschuldet ist.

Zuletzt kam Monroe immer besser in Fahrt. Als die Partie am Sonntag gegen Bonn zwischenzeitlich noch einmal eng zu werden drohte, zeigte der 29-Jährige seine Klasse, sorgte fast alleine wieder für klare Verhältnisse. Was er selbst aber eher kleinredete: „Die Mannschaft hat mich gut eingesetzt.“

Töne, die typisch sind für den Mann, der der Münchner Königstransfer des vergangenen Sommers war. Monroe ist nie als der Star aufgetreten, als der er sich nach seinen Jahren an der Seite der besten Spieler der Welt (u.a. Giannis Antetokounmpo und Kahwi Leonard) fühlen könnte. Überhaupt ist dieser Greg Monroe anders als so viele Basketball-Legionäre, die von ihren Stationen vor allem die Erinnerungen an gute Restaurants und die aktuellsten Videospiele mitnehmen.

„Ich bin sehr an Geschichte und Kulturen interessiert“, sagte Monroe dieser Tage bei einem Fantalk, „Videospiele sind nichts für mich, ich gehe lieber in Museen.“ Auch ein Grund, warum der Mann mit dem markanten Vollbart in München längst auch abseits des Spielfelds heimisch geworden ist.

Und auf dem Spielfeld sollen sich die Dinge tunlichst noch weiter verbessern. Auch in der Euroleague, wo die Bayern mit drei Siegen Rückstand auf den Tabellenachten und heutigen Gegner aus Mailand noch immer Letzter sind.

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